Kuscheltiere der Marke Eigenbau

Emma hatte gerade erst das Licht der Welt erblickt, schon ging die Suche nach dem passenden Kuscheltier los. Doch zu 100 Prozent entsprach keines ihren Vorstellungen. Auch nicht denen ihrer Eltern. Gut, dass eine Freundin der Familie eine Idee hatte.

Amberg. Normalerweise betreut Sebastian Kramer (27) für eine Bank vermögende Privat- und Geschäftskunden. Am Feierabend und an den Wochenenden wird der Amberger jetzt aber immer öfter selbst zum Geschäftsmann. Dann ist er wieder auf Minimutz-Mission und bewirbt ein Produkt, das es seit August auf dem Markt gibt. Doch der Reihe nach.

Kramer stammt ursprünglich aus Eisenach und hat dort noch viele gute Freunde. Lynne Haag zum Beispiel. Die 27-Jährige ist Physiotherapeutin und eine Erfinderin - ohne es zu wissen. "Sie hat Emma das Ur-Minimutz geschenkt", blickt der junge Vater zurück und erinnert sich, dass dieses selbst gemachte Etwas das erste Spielzeug war, auf das seine Tochter reagierte: "Sie hat zum ersten Mal etwas bewusst mit den Augen verfolgt."

Bei Bäcker und Metzger

Bei den Kramers war die Freude groß, sie dachten sich aber weiter nichts dabei, bis das Minimutz, das damals im Frühjahr 2013 noch keinen Namen hatte, damit begann, mehrere Blicke auf sich zu ziehen. Kramer: "Mich hat eine Frau angesprochen und gefragt, wo wir das gekauft haben." Das war beim Bäcker und der Herr Papa sagte, dass das Kuscheltier ein Einzelstück sei. Als ihm Gleiches beim Metzger und in anderen Läden widerfuhr, dachte sich der 27-jährige Bankkaufmann: "Da machen wir was." Sprich: Nicht nur Emma soll ein Minimutz bekommen. Das lässt sich auch verkaufen.

Sebastian Kramer hielt nach Leuten Ausschau, die ihm helfen könnten: ein Grafiker, eine Designerin, ein Computerspezialist für die Vermarktung im Internet. Als alle gefunden und von der Geschäftsidee überzeugt waren, setzte sich der Gailoher mit seiner Frau Sabrina und der guten Freundin Lynne Haag auf den Hosenboden und verbrachte seine Freizeit mit Nähen. So entstanden 150 Prototypen in vier Farben: lila, grün, pink, rot. Blau kam erst später dazu. Nachdem sich die 150 Exemplare relativ schnell verkauft hatten und die Finger immer noch glühten, war klar: "Wir können das unmöglich alles selber machen. Wir können die Qualität gar nicht liefern." Also machte sich der Finanzexperte erneut auf die Suche. Diesmal nach einem Kuscheltierhersteller und wurde tatsächlich fündig: Die Kösener Spielzeug-Manufaktur in Sachsen-Anhalt zeigte Interesse und lud den Amberger zu sich ein. Sebastian Kramer schnappte sich drei Minimutze, setzte sich in sein Auto und fuhr los: "Dann saß ich da vor einem Vertriebsleiter, einem Geschäftsführer und einer Chef-Designerin. Ich habe versucht, sie zu überzeugen." Das beste Argument war: "Es kann doch nicht sein, dass alle Kuscheltiere aus Polyester sind."

Aus Naturstoffen

Da die Minimutze ausschließlich aus Naturstoffen gefertigt werden, war der Deal perfekt, eine Marktlücke entdeckt. Die Kösener Spielzeug-Manufaktur willigte ein, 500 der Tierchen herzustellen. Offen war nur die Frage nach den Kosten. Die Antwort steht mittlerweile fest und damit auch der Preis: ein kleiner Minimutz kostet 20,99 Euro, ein großer acht Euro mehr. Sebastian Kramer weiß: "Damit sind wir sehr teuer. Das möchte ich auch sein, weil ich der Überzeugung bin, dass gutes Spielzeug Geld kosten muss."

Bisher können die knuffigen Spielzeuge nur online bestellt werden, ein Ausbau des Vertriebsnetzes auf klassische Spielzeuggeschäfte ist in Planung. "2015 wollen wir durchstarten", gibt Kramer die Richtung vor.
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