"Lauter sterben in Waldsassen"
Briefe an die Redaktion

Zur Berichterstattung über die Erörterung der Bahntrassen-Einwände:

"Trotz der Gegner-Mehrheit mit 54 Prozent (Stadtgebiet Waldsassen) beim 2009er Bürgerentscheid wird uns die Trasse entlang der alten Bahnstrecke nach Eger von der CSU seit Jahren als ,Umgehung' oder ,Entlastungsstraße' verkauft. In Wahrheit ist sie aber eine Transittrasse für Lkw's, die Waldsassen nicht entlasten, sondern noch mehr belasten wird. Während und nach den optimistisch geschätzten vier Jahren Bauzeit wird Waldsassen langsam, dafür aber lauter (weiter)sterben. Dank der ,städtischen Verharmlosungstatik' lebt man hier scheinbar im Tal der Ahnungslosen. Die Lärmbelästigung inklusive Gesundheitsgefährdung wird nach der Bauzeit nicht enden, sondern dann erst recht beginnen: Weit über 1000 Lkw's, Zahl nach oben offen, werden tagtäglich eine Lärmkulisse bieten, die kilometerweit Tag und Nacht zu hören sein wird. Die kleinen Geschäfte in der Innenstadt werden die Bauzeit nicht überleben. Der Tourismus wird vor die Hunde gehen, denn niemand macht Urlaub neben einer Ost-West-Transitstrecke von und zur Autobahn. Grundstücks-, Immobilien- und Mietpreise werden wegen der Lärm- und Luftverschmutzung auf Nullniveau sinken. Durch eine an nur wenigen Stellen überquerbare Trasse wird es für Kinder und Erwachsene schwer, auf der anderen Mauerseite Freunde zu besuchen und soziale Kontakte aufrechtzuerhalten.

Die Trasse betrifft nicht nur jeden einzelnen Bürger direkt oder indirekt, sondern ganz besonders jedes Kind unmittelbar. Zwei Kindergärten inklusive Hort liegen in Nähe zur geplanten Trasse. Daneben befinden sich drei Schulen; die meisten Freizeit- und Sportstätten liegen direkt entlang der menschenverachtenden Straße. Der Lärm und die Luftverschmutzung machen doch nicht an der fünf Meter hohen Mauer Halt. In der Schul- und Freizeit müssen sich die Schutzbedürftigsten unter uns nun stundenlang in den Abgasen von unzähligen Autos und 50 0000 Lkw's im Monat aufhalten.

Durch die geografische Kessellage der Stadt werden sich Smog und der Lärm wie eine Glocke über uns legen. Dauerlärm verursacht psychische und physische Störungen. Feinstaub löst nachweislich Krebs aus. Auch wer außerhalb der Stadt wohnt, entkommt dieser Gesundheitsgefährdung nicht. Will man sich und seinen Kindern das wirklich schulterzuckend antun?

In Bärnau, Tirschenreuth, Plößberg oder Waldershof schafft man es doch auch, eine echte Umgehung zu bauen, die auch die umliegenden Dörfer nicht stört. Wir leben nicht in einem dicht besiedelten Ballungsgebiet - es ist genug Platz außen rum, um eine weiträumige, menschen- und naturfreundliche Lösung für alle zu finden. Menschlich und moralisch kann ich es als Mutter nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, das Vorgehen der Stadt unreflektiert, resigniert und ohne Betroffenheit abzunicken. Die Trasse ist noch lange nicht beschlossene Sache, auch wenn die Stadt uns das vorgaukelt. Wo ist das Pflicht- und Verantwortungsgefühl der Eltern geblieben? Wo ist der Weitblick für die Zukunft unserer Kinder, die mit dieser menschenfeindlichen ,Straße der Nachteile' leben müssen?

Gegen den Nachbarn zieht man wegen Grill- und Rasenmähvorschriften vor Gericht; der Reiseveranstalter wird wegen mangelnder Ruhe oder Schmutz verklagt. Vier Jahre Baulärm, Verkehrschaos in und um Waldsassen und die danach stattfindende, gesundheitsgefährdende Dauerlärmbeschallung werden dagegen kommentarlos für den Rest des Lebens hingenommen. Gott sei Dank gibt es Kläger, Idealisten und vorausschauende Bürger, die sich gegen diesen Wahnsinn zur Wehr setzen.

Die Waldsassener sollen wohl bei der Transittrassen-Eröffnung jubelnd auf der fünf Meter hohen Mauer stehen und die stinkenden Lkw's begrüßen wie am 13. Mai die Radrennfahrer der Bayernrundfahrt? Beim Event der gelungenen Stadtzerteilung können die Verantwortlichen dann Ohrstöpsel und Gasmasken mit Stadtwappen verteilen."

Maria ThomasWaldsassen

Potenziellen Wähler bei Laune halten

Zum Leserbrief von Karl Berr zu den Äußerungen von Gottfried Beer, der Titel Weltkulturerbe sei unangemessen:

"Aus dem Topf historischen Halbwissens, gut umgerührt, möchte nicht nur der Stadtpolitiker Karl Berr (Tirschenreuth) die Errichtung von ,Windmühlen' im Stiftland verhindern. Es geht kaum einem der politischen Befürworter um den Titel ,Weltkulturerbe'. Das gibt Berr zwischen den Zeilen zu.

Angefeuert werden er und andere nicht von dem Realisten Dr. Thomas Gunzelmann (Landesamt für Denkmalpflege). Er horchte auf, als ich ihm unlängst - privat - das eine oder andere zur stiftländischen Geschichte berichtete. Angefeuert werden die Befürworter von einem geheimnisvollen Gutachter. Dessen Anschrift und Telefonnummer - geheim wie der Inhalt seines Gutachtens. In dieses dürfen nur auserwählte Politiker Einblick nehmen. Und ihre Wähler sind dankbar für Andeutungen. Der Weltkulturerbe-Gedanken wird hier Teil des politischen Alltagsgeschäftes. Den potenziellen Wähler bei Laune halten. Hat die stiftländische Zukunft diese Fokussierung nötig? Das ist die Minderheitsmeinung eines der vielen Gründungsmitglieder des Fördervereins.

Harald FähnrichSchönficht

___

Leserbriefe müssen nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe sinnwahrend zu kürzen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.