Leserbrief

Kulturgut

statt Ungeziefer

Zu einem Bericht über die Bürgerversammlung in Schönsee vom 27. November und einem weiteren Artikel vom und 30. November erreichte uns folgende Zuschrift:

"Bürgermeistern Höcherl äußert sich erneut darüber, dass sie den Verlust der Kastanienbäume bedauere. Das klingt zunächst schön, befragt man sie dazu aber direkt, so zeigt sich, dass doch wenig Verständnis für die Bedeutung und den Wert alter Bäume für eine Stadt und deren Entwicklung auch im Hinblick auf Tourismus vorhanden sind. Unterstrichen wird dies durch die Tatsache, dass im Stadtrat erst gar nicht darüber diskutiert und abgestimmt wurde, wie man die Bäume erhalten könne, sondern darüber, wie die Bäume möglichst schnell und kostengünstig entfernt werden können. Dazu fällt in der ,Grenzwarte' wiederholt der Ausdruck ,Beseitigung der Kastanienbäume', so als handle es sich um Ungeziefer und nicht um altehrwürdiges Kulturgut der Stadt Schönsee. Hauptargument für die Entscheidung des Stadtrates ist die "Gefährdung durch marode Bäume", ein häufig und in ganz Bayern genutztes Totschlagargument um solche Aktionen auf einfachstem Niveau zu begründen.

Hintergrund ist die Begehung der Allee im Frühjahr mit Mitarbeitern des Kreisbauhofs und des Kreisgartenamtes, bei der festgestellt wurde, dass morsche Äste vorhanden sind und bei einigen wenigen Bäumen in den folgenden Jahren möglicherweise Probleme mit der Standfestigkeit auftreten könnten. Wohlgemerkt: ,könnten!' Der Stadtrat hat darauf sofort entschieden, dass ,alle gefährdeten Bäume entfernt werden', d.h. auch junge und gesunde Bäume von der Kreuzung bis zur Kapelle! Problem dabei: Es ist bis heute nicht bekannt, ob und falls ja, welche Bäume den eine akute Gefährdung darstellen, so dass die übereilte Entscheidung des Stadtrates auf einer völlig falschen Grundannahme beruht! Ein Fachgutachten dazu wurde nicht eingeholt und soll auch nicht in Auftrag gegeben werden, trotz gegenteiliger Aussagen der Bürgermeisterin (,die Bäume liegen mir am Herzen'). Hinweise des Kreisbauhofs und des Kreisgartenamtes können dieses Fachgutachten leider nicht ersetzen. Die Stadt Oberviechtach ist in dieser Beziehung schon wesentlich weiter: Neben der Festsetzung einer Baumschutzverordnung sind hier Fachgutachten für kranke Bäume mittlerweile eine Selbstverständlichkeit.

Natürlich muss die Sicherheit für Menschen gewährleistet sein. Es gelten jedoch auch hier alle Gesetze und nicht nur das gerade benötigte. Eine Abwägung, ob und welche Bäume denn wirklich gefällt werden müssen, wäre deshalb angezeigt. Auch die Bayerische Verfassung, der im Besonderen Bürgermeister und Gemeindeverwaltungen verpflichtet sind, spricht hier deutliche Worte.

Die Stadt Schönsee ist deshalb aufgefordert sich an die bestehenden Gesetze zu halten und endlich berechtigte Bürgerinteressen im Hinblick auf den Erhalt und die Entwicklung einer lebenswerten Stadt zu würdigen, zu der gerade auch alte Bäume gehören! Der in den Artikeln gerne dargestellte "schuldenfreie Haushalt" zeigt hier, dass die Stadt bisher wichtige und notwendige Investitionen in grundlegende und selbstverständliche Dinge wie die Baumpflege seit Jahren einspart, gleichzeitig den Bürgern aber immense Kostensteigerungen auferlegt.

Ein Gesamtkonzept zur Stadtentwicklung, welches alle Bereiche berücksichtigt fehlt bis heute und wird durch kurzfristige, wenig bedachte und oft parteipolitisch motivierte Entscheidungen ersetzt. Die geplante Fällung aller Kastanien trotz der geringen Kosten eines Fachgutachtens ist für mich deshalb eine Bankrotterklärung der Stadt Schönsee und lässt vermuten, dass hier noch andere Interessen eine Rolle spielen, die dem Bürger wie gewöhnlich vorenthalten werden."

Wolfgang Kaiser92539 Schönsee

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