Leserbrief
Hallenbäder: Kümmersbruck macht vor, wie es geht

"Bäder auf dem Trockenen":

Seit Jahren ist es für Kommunen eine Herausforderung, defizitäre Freizeiteinrichtungen aufrecht zu erhalten. Wir erinnern uns: In den 60er und 70er Jahren ging das alles ganz großartig: Jedes Jahr mehrere Hundert Kilometer neue Autobahnen und zeitgleich an allen Ecken der Republik neue Hallenbäder, die gemäß ihrer Verwendung noch Schwimmbad und nicht Wellnesstempel hießen. Großartig deshalb, weil Geld war ja da - in Form von neuen Staatsschulden.

Die Rechnung zahlen wir heute - der Staat entschuldet sich mit niedrigen Zinsen auf Kosten der Sparer. Wenn eine Bädereinrichtung nach 40 Jahren Betrieb ein Sanierungsfall wird, schaut die Kommune finanziell in die Röhre. Dabei ist der Standpunkt der DLRG und der Wasserwacht vollkommen richtig. Wenn ich lese, dass 50 Prozent der Grundschulabgänger kaum noch schwimmen können und es Städte gibt, in denen ein Hallenbad durch eine Spielhalle (!) ersetzt wurde, gleicht das einem Armutszeugnis.

Eine Grundlage wie Schwimmen ist in unserem - nach wie vor - wohlhabenden Land in Gefahr. Wenn ich sehe, wie eine ganze Generation Gefahr läuft, vor Smartphone und Co. regelrecht zu verblöden, sollte man auch mal ausrechnen, welche Folgekosten drohen, wenn Sportarten wie Schwimmen nicht mehr gefördert werden. Dagegen sind die aktuellen Hallenbad-Defizite ziemliche Peanuts. Nicht zu unterschätzen sind auch die Signalwirkungen von Hallenbad-Schließungen. Regionen wie der Landkreis Tirschenreuth leiden unter Bevölkerungsschwund. Die Abwanderung wird man nicht damit aufhalten können, dass auch noch Bäder geschlossen werden. Wo sind hier die Förderungen für strukturschwache Regionen? Die nördliche Oberpfalz hat nichts davon, wenn zeitgleich in der Region München das nächste Spaßbad eröffnet.

Bemerkenswert ist, wie Kümmersbruck das Thema anging. 6,4 Millionen Euro in ein Sanierungsprojekt zu stecken, zeugt von Mut, aber auch von Weitblick. Ich habe das neue Bad als Schwimmer sehr zu schätzen gelernt. In Kümmersbruck ist es gelungen, die Interessen von Schwimmern, Aquajoggern, Familien und Vereinen unter einen Hut und damit die Besucherzahlen nach oben zu bringen. Das liegt wohl auch an dem freundlichen Personal. Das klingt banal, ist aber bei weitem nicht überall Standard. Auch Freundlichkeit kann helfen, Defizite zu mindern.

Bernd Hagen, 92224 Amberg
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