Leserbrief Peinliches Alibi-Jammern von Bauernpräsdident Franz Kustner

Zu dem Artikel "Ruinöser Preiskampf" vom 19. August:

Als ich am Mittwoch diesen Artikel las, habe ich mich als Landwirt gefragt, was will der Bauernverband da wirklich?! Braucht er ein Alibi nach dem Motto, "wir tun was für die Bauern". Braucht er einen Schuldigen, damit er den Druck der Bauern abbauen und von den wirklichen Ursachen und Schuldigen ablenken kann?

Nicht, dass er noch selbst ins Visier der Bauern gerät! Denn wenn der Bayerische Bauernverband (BBV) und sein Dachverband DBV jetzt ehrlich mit den Ursachen der Krise und richtigen Lösungsmöglichkeiten umgehen würden, dann würden sie nicht davon ablenken, dass die Misere größtenteils aus der Überproduktion entsteht.

Die Molkereien geben billige Gebote ab, der Lebensmitteleinzelhandel und Discounter greifen zu, und der Milcherzeuger bekommt den Restbetrag. Der Lebensmitteleinzelhandel nimmt an der Marktwirtschaft teil und kauft so günstig ein, wie es ihm von Molkereien und anderen angeboten wird. Daran ist nichts auszusetzen, wollen wir Bauern doch auch dort einkaufen, wo es am günstigsten ist.

Das ist der Markt, das ist Marktwirtschaft! Der Bauernverband wollte den Markt, er wollte die Marktwirtschaft und hat das Milchquoten-Ende begrüßt und gefeiert. Jetzt heult er öffentlich mit falschen Argumenten herum. Geht es noch peinlicher?

In der Marktwirtschaft gilt das Gesetz des Stärkeren. Wir Landwirte werden aber von Bauernverband, Genossenschaftsverband und Molkereien immer weiter geschwächt. Wie kann es sein, dass Molkereien sogar in Krisenzeiten ihre Gewinne steigern? Das bäuerliche Mitbestimmungsrecht in den Genossenschafts-Molkereien wird immer weiter eingeschränkt. Wir dürfen teils schon nur noch als billige Zulieferer und Finanziers der verarbeitenden Industrie herhalten. Jedweder Ausbau von Marktmacht in Hand der Landwirte wird vom Bauernverband rigoros bekämpft. Hauptsache, die landwirtschaftliche Produktion wächst immer weiter, und wenn die Absatzmärkte noch so wegbrechen oder die Molkereien noch so unfähig sind, neue gewinnbringende Absatzmärkte zu besetzen.

Von all dem lenkt der Bauernverband ab. Er lenkt die Wut, geboren aus wirtschaftlicher Not durch Drangsalierung, ab auf die wahren Marktteilnehmer: den Lebensmitteleinzelhandel/Discounter. Alles, nur um davon abzulenken, dass die Bauernverbandspolitik dazu geführt hat, dass die Märkte überlaufen und der Absatz nicht mehr sichergestellt werden kann.

Die, die viel mehr an dem Markt teilnehmen, an den wir Bauern gebracht werden sollten, sollen nun schuld sein. Ein armseliges, trauriges und so gar nicht marktwirtschaftliches Gebahren, was der Bauernverband hier offenbart. Es ist sehr beschämend für die Bauern und zeugt von Unkenntnis, dass der Oberpfälzer BBV-Präsident und hiesige Kreisobmann Franz Kustner die Produktionskosten mit 35 Cent pro Liter Milch angibt. Er hätte sich doch jederzeit beim Landwirtschaftsamt oder Institutionen wie der LfL (Landesanstalt für Landwirtschaft) informieren können. Selbst sein Kollege, der BBV-Kreisobmann Johann Mayer in Regensburg, spricht von Produktionskosten von 45 Cent, bei Stall-Neubauten von 50 Cent pro Liter Milch.

Anscheinend ist es für den BBV und Kreisobmann Kustner viel leichter und Frust abbauender, bei Aldi aufzuschlagen, als für sinnvolle Regeln einzutreten.

Georg Rauch, Hahnbach

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