Leserbrief zu "Hirntod als sicheres Todeszeichen"
Organspende: "Befund über Hirntod ist keine Diagnose, sondern nur eine Prognose"

Zu den Berichten "Diagnose des Hirntods" und "Hirntod als sicheres Todeszeichen":

Als der Bericht vom Abbruch einer "Organspende-Operation" erschienen ist, dachte ich blauäugig, das sei nun der Super-GAU für die Transplantationsmedizin. Bei jener Operation zeigte der organspendende "Hirntote" auf nicht berichtete Weise seine Lebendigkeit. Aber weit gefehlt!

Die Bewegung im Blätterwald war gering, und der Deutsche Ethikrat (DER) tagte erneut. Obwohl von dessen 26 Mitgliedern 7 Mitglieder argumentieren, dass der Hirntod nicht gleichbedeutend "mit dem Tod des Menschen sei", bejaht der DER insgesamt nach wie vor die Organspende nach Hirntodbefund.

Ein Professor stellte einmal lapidar fest, dass der Hirntodbefund eine Prognose, aber keine Diagnose sei. Unterlässt man nach einer Hirntod-Feststellung die apparative Unterstützung des Schwerstkranken, so wird dieser in den meisten Fällen binnen einigen Stunden bis Tagen versterben. Es gibt aber auch Fälle, in denen der "Hirntote" weiterlebt. In unserem Orwell'schen "Neusprech" wird nach wie vor von der postmortalen Organspende gesprochen, obwohl der "Hirntote" noch lebt und nicht einmal das Gehirn völlig seine Funktionen eingestellt hat.

Bestimmte Regulations-Vorgänge, die beim "Hirntoten" noch erfolgen oder auch das Fortbestehen einer Schwangerschaft bei "hirntoten" Frauen (siehe z. B. das "Erlanger Baby"), wären nicht möglich, wenn ein Ganzhirn-Versagen vorläge. Es "zerfallen" auch keine Gehirnzellen, wie es fälschlich in einem Bericht stand. Die Amerikanische Akademie der Neurologie hat 41 Leichen obduzieren lassen, bei denen nach dem Hirntodbefund Organe explantiert worden waren. Der Befund damals: nur leichte Hirnschäden und kein einziger Fall von irreversibler Zerstörung des Gehirns.

Die Transplantationsmedizin ist zu einem Moloch geworden, der gefüttert werden will. Deshalb werden die Tatsachen verbogen, auch wenn dadurch die Ressourcen in anderen Bereichen der Medizin beschnitten werden. Und die Pharmaindustrie möchte ihr großes Geschäft mit der Transplantationsmedizin auch nicht geschmälert bekommen.

Nun verschärft die Bundesärztekammer die Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes. Aber auch wenn einer der beiden Ärzte, die die Hirntod-Befundung durchführen, jetzt ein Neurologe oder Neurochirurg sein muss, wird dadurch die grundlegende Kritik am Hirntod-Konzept nicht beseitigt.

Ähnlich wie im Märchen "Des Kaisers neue Kleider" sollen wir mit diesem Konzept etwas anerkennen, das nicht ist. Der Hirntote ist kein Toter. Deshalb müsste er nach unserem Grundgesetz und dem 4. Gebot im Juden- und Christentum nicht explantiert werden dürfen.

Dr. Maria Macht, 92637 Weiden

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