Leserbrief zum „Ausschreibungsverfahren von Chemotherapie“
Kurze Wege zwischen Arzt und Apotheker notwendig

"Ausschreibungsverfahren von Chemotherapie":

Ich bin erschüttert über die Bestrebungen der gesetzlichen Krankenkasse zum Thema "Chemotherapie auf Rabattvertrag". Wann schafft es die Politik endlich, dem Treiben dieser Versicherungsträger Einhalt zu gebieten? Ich bin seit knapp sechs Jahren in der Niederlassung tätig, drei Jahre davon in eigener Praxis; habe zuvor an einer der großen Kliniken in der Umgebung meine Facharzt-Weiterbildung absolviert, auch in der stationären und ambulanten onkologischen Versorgung von Tumorpatienten.

Ich kann mich den Ausführungen von Dr. Werner Speckner nur anschließen: Tumortherapie ist individuell und funktioniert leider nicht so einfach wie die Therapie von erhöhten Cholesterinspiegeln oder Bluthochdruck. Oftmals ist die Therapie davon abhängig, dass behandelnder Arzt und liefernder Apotheker kurzfristig konferieren, um Dosierungen anzupassen oder bei Problemen mit dem Allgemeinzustand des Patienten die Therapie auszusetzen und zu verschieben: Was nur bei kurzen Wegen zwischen Arzt und Apotheke sowie entsprechenden räumlichen und gerätetechnischen Ausstattungen in Apotheken möglich ist.

Die Erfahrung zeigt, dass die Versorgung mit Medikamenten zu vertraglich vereinbarten Preisen mit festgelegten Herstellern schlecht bis nicht funktioniert. Ich erinnere an den "Skandal" um die Grippe-Impfaktion 2012. Grippe-Impfungen sind auch "vertraglich ausgehandelt". In dem von mir erwähnten Jahr war über die gesamte Grippesaison kein oder nur unzureichend Impfstoff für Bayern vorhanden, was zu einer deutlichen Zunahme der Virusgrippeerkrankungen führte. Grund dafür war die Rücknahme des Impfstoffes "FLUAD®" vom Markt durch "Sicherheitsbedenken" des Paul-Ehrlich-Institutes. Diesen Mangel konnten Konkurrenzhersteller auf die Schnelle nicht ausgleichen. Nicht auszudenken, wie es sein wird, wenn dies hochspezialisierte Medikamente betrifft, von welchen die Lebensqualität von schwer kranken Patienten oder - wie bei manchen Patienten auch - das Überleben und die Heilung abhängt.

Soll das der Weg in der Therapie von Schwerkranken sein, den die Gesellschaft den Ärzten vorgibt? Um Geld einzusparen, könnte ja angedacht werden, die Zahl der über 200 gesetzlichen Krankenkassen auf 5 oder 6 zu reduzieren: Dann würden Milliarden Euro frei durch die Einsparung von teuren Prestigegebäuden, Aufsichtsräten oder Vorstandvorsitzenden.

Oliver Heisel, Facharzt für Allgemeinmedizin, 92224 Amberg
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