Leserbriefe Alle reden von Barrierefreiheit, aber es fehlt der Wille zur Umsetzung

Zur Berichterstattung über die mangelnde Barrierefreiheit am Bahnhof und an Bushaltestellen:

Zu dem Thema passt gut meine Expertise zum barrierefreien Ausbau der beiden Haltestellen am Kurfürstenbad. Ich hatte den Parteien im Stadtrat vorgeschlagen, dass diese Haltestellen im Zuge der Arbeiten zur Instandsetzung des Kurfürstenrings auf den nach dem Gesetz geforderten barrierefreien Zustand gebracht werden. Bei den beiden Haltestellen am Max-Reger-Gymnasium wurde dies ein Jahr vorher bei der Instandsetzung der Straße versäumt. Der Komfort dieser zwei Haltestellen ist jämmerlich und auf der Nordseite auch gefährlich.

Von den Parteien habe ich, außer von der CSU, durchaus positive Reaktionen bekommen. Auf Nachfrage, ob mein Vorschlag auch umgesetzt wird, habe ich von Oberbürgermeister Michael Cerny die Antwort erhalten, dass leider 2015 für einen barrierefreien Ausbau keine Haushaltsmittel zur Verfügung stehen, jedoch mein Vorschlag in eine Prioritätenliste für einen barrierefreien Ausbau der Haltestellen in der Stadt aufgenommen werde. Meiner Ansicht nach wurde mit dieser Antwort die Chance vertan, den barrierefreien Umbau an die laufende Baumaßnahme zu koppeln und exemplarisch ein Zeichen zu setzen.

Ich verstehe die Frustration von Hans-Jürgen Haas als Geschäftsführer des Zweckverbandes Nahverkehr Amberg-Sulzbach sehr gut, weil die kommunalen Straßenbaulastträger, aber auch der Freistaat Bayern ihre Verantwortung für den barrierefreien Ausbau eigentlich nicht wahrnehmen. Die Förderung des ÖPNV wird politisch entweder in Sonntagsreden thematisiert oder in teueren abgelegten Nahverkehrsplänen als Maßnahmenplan formuliert, dem kein Wille bei der Umsetzung folgt. Wenn man durch die neuen Bundesländer fährt, sieht man das, was bei uns dringend im Sinne des ÖPNV umgesetzt werden müsste. Dort sind die Bushaltestellen auch auf dem flachen Land weitgehend auf dem neuesten barrierefreien Stand.

Es ist aber auch Aufgabe von uns Bürgern, den ÖPNV-Nutzern, den barrierefreien Ausbau der Haltestellen im Gebiet des Zweckverbandes einzufordern. Man muss als Nicht-Autofahrer, als betagter Senior, als behinderter Mensch, als Frau mit Kinderwagen zur Teilnahme am Leben nicht in den Bus stolpern, oder ohne Wartehäuschen in Wind und Wetter stehen müssen. Dies wird - mit welchem Recht eigentlich? - insbesondere älteren Menschen momentan einfach zugemutet. Die Fahrpreise steigen weiter, aber am Komfort wird nichts bis wenig getan. Der Einsatz von Haushaltsmitteln ist zumindestens ein Lichtblick und ein Hoffnungsschimmer auch für den desillusionierten Herrn Haas.

Alfons SwaczynaLeitender Baudirektor a.D.
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