Leserbriefe Amberger Militärgeschichte wäre in Cham verschenkt

Amberg zählt zu den ältesten Garnisonsstädten Bayerns. Beleg dafür ist die Militärhistorische Sammlung. In einer Mitteilung brachte Landtagsabgeordneter Harald Schwartz die Variante ins Spiel, die Sammlung mit den Soldaten nach Cham umziehen zu lassen - falls sich in Amberg kein Ausstellungsraum findet. Bild: htl
Zum Artikel "Eventuell nach Cham" vom 7. April:

Die Stabs- und Fernmeldekompanie der Panzerbrigade 12 soll eventuell aus der Leopold nach Cham verlegt werden, wofür die Kaserne in Cham aufwendig umgebaut wurde. Dafür wird die großteils unter Denkmalschutz gestellte, bald endgültig leere Leopoldkaserne der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zur Verwertung übergeben. Die Standortverwaltung, die unmittelbar die Soldaten und zivilen Dienststellen zu betreuen hat, darf in Amberg bleiben.

Auch die in der Leopoldkaserne mit großem Engagement vieler Ehrenamtlicher zusammen getragene Militärhistorische Sammlung soll womöglich nach Cham. Warum Cham? Kann sich Cham die Sammlung besser leisten als Amberg? Amberg zählt seit 1715/16 zu den ältesten Garnisonsstädten Bayerns. Ambergs Militär- und Verteidigungsgeschichte ist so alt wie die Stadt selbst. Amberg war einst die "festest Fürstenstadt" und gehörte nach dem Krieg zu den bedeutendsten Bundeswehrstandorten.

Will man Amberg weiter ausbluten lassen oder hat Amberg kein Interesse? Oder soll in Cham mit dem erweiterten Standort auch ein erweiterter Tourismus die Wirtschaft ankurbeln gemäß dem erfolgreichen Vorbild des neuen Militärmuseums Dresden? Dies aber dürfte für Cham mit der Amberger Sammlung schwierig werden, die weitestgehend Ambergs Militär-, Garnisons - und Standortgeschichte sowie Biografien Amberger und Landkreisbürger dokumentiert. Zu befürchten ist deshalb, dass die Sammlung zum Kaufhaus wird, aus dem sich alle bedienen.

Wie beeindruckend aber ließe sich in der Leopold - einst die schönste Kaserne Bayerns - bayerische und Oberpfälzer Standort- und Militärgeschichte darstellen, in deren Mittelpunkt der Mensch mit all seinen Ängsten, Hoffnungen, Leidenschaften, Erinnerungen und seinem Mut steht. Es könnte eine selbst nach Tschechien übergreifende Begegnungsstätte für historische und politische Bildung geschaffen werden und eine Stätte für Friedenssicherung und Sicherheitsvorsorge. Denn Krieg - das "Kriegen wollen" - wird nicht in Sonntagsreden verständlich, sondern nur, wenn seine Darstellung die Natur des Menschen zur Grundlage nimmt. Verbunden damit könnte die Entwicklung des Amberger Roten Kreuzes dargestellt werden, die des Technischen Hilfswerkes und der Krankenpflege von den Amberger Lazaretten zum modernen Klinikum. Da neben der Verteidigung das Militär ohnehin Aufgabengebiete wie Friedenssicherung und Katastrophenhilfe zu erfüllen hat, bliebe die Leopoldkaserne ihren Aufgaben und den Amberger Bürgern erhalten - wenn der entsprechende Wille dazu vorhanden ist.

Heidemarie Sander, Amberg

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