Leserbriefe Auch die Innenstadt-Bewohner sollen ein Recht auf Ruhe haben

Zu "Sonntäglicher Saustall":

So ist das Wohnen in der Amberger-Innenstadt kein Zuckerschlecken. Unter der Rubrik Angemerkt wird in der AZ vom ,,Sonntäglichen Saustall" in der Innenstadt berichtet. Dabei ist dieser Zustand noch harmlos umschrieben worden. Wie schon im Artikel beschrieben, wird die Innenstadt gerne als Partymeile aufgesucht. Das Unterhaltungsangebot kann gar nicht groß genug sein. Aber ob man es glaubt oder nicht, dort leben und wohnen auch Menschen. Diese werden rücksichtslos in ihrem Recht auf Leben und Gesundheit verletzt, das im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in Paragraf 823 verankert ist.

Wie aus Zeitungsberichten zu entnehmen war, ist durch die Raserei um den Altstadtring den Anliegern der Lärm zu groß; im westlichen Teil der Seminargasse wurde sogar ein Pflock gesetzt, da dort der Autolärm (durch Kopfsteinpflaster) den Anwohnern nicht zumutbar ist; in Ammerthal wird das Spielen am Spiel-/Sportplatz nicht geduldet. Den Nachbarn von Kneipen bzw. an Durchgangsstraßen (mit Kopfsteinpflaster) werden die Störungen jedoch zugemutet.

Tagsüber erweckt die Gegend um den Schweinchenbrunnen einen einigermaßen ruhigen und friedlichen Eindruck. Der Autoverkehr sowie die Parksituation sind tagsüber noch erträglich. In den Nächten, besonders von Donnerstag bis Sonntag, spielen sich dann aber folgende Szenarien ab:

Meist beginnend ab Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden, ziehen viele feierlustige Mitmenschen lärmend durch die Straßen. Vor den Lokalen werden die angeregt unterhaltenden Raucher von vorbeifahrenden Autofahrern hupend begrüßt, die ihrerseits mit laut tönender Musik einen Parkplatz in der Viehmarkt-/Seminargasse suchen. Weil dieser Bereich zu dieser Zeit jedoch bereits zugeparkt ist, wird der weitere Straßenverlauf als Rennstrecke benutzt und eine weitere Runde mit der Hoffnung gedreht, es könnte sich ja in der Zwischenzeit ein freies Plätzchen (wenn möglich direkt vor dem Lokal) ergeben. Dabei werden Bürgersteige und eine ausgeschilderte Feuerwehr-Anfahrtszone rücksichtslos blockiert. Der Platz am Schweinchenbrunnen wird kurzerhand als nächtlicher Grillplatz oder für eine spontane Fete genutzt. Wenn dann noch Veranstaltungen in den umliegenden Lokalen stattfinden, erreicht die Musiklautstärke den finalen Höhepunkt. Wie man sich ausmalen kann, ist an Nachtruhe nicht zu denken. Geschweige denn, in den heißen Sommerwochen bei geöffneten Fenstern zu schlafen. Sind dann die Nachtschwärmer am nächsten Morgen abgezogen, um sich in Ruhe von den nächtlichen Eskapaden zu erholen, sind die Ergebnisse der Nacht zu sehen. Wenn Erbrochenes an der Hausfassade klebt, die Hauseingänge zur Verrichtung der Notdurft als Toiletten benutzt wurden, Glasscherben über die Straßen verteilt sind, dann ist wieder eine Horrornacht überstanden.

Denen, die jetzt sagen, so schlimm ist das doch nicht, kann ich nur folgendes empfehlen: vor Ort das Treiben ab Mitternacht zu beobachten. Ob sie das auch in ihrer unmittelbarer Wohngegend Woche für Woche erleben möchten? Wir wollen keine tote Innenstadt, den Freizeitbedürfnissen eines jeden soll Raum gelassen werden. Jedoch auch dem Innenstadtbewohner sollte das Recht auf Ruhe und Erholung eingeräumt werden.

Da mit einer Rücksichtnahme der Besucher nicht zu rechnen ist, wird die Innenstadt erst wieder wohn-und lebenswert, wenn drei Punkte erfüllt werden: Wenn eine Verkehrsberuhigung geschaffen wird, die von der örtlichen Verkehrsüberwachung rücksichtslos verfolgt wird (zum Beispiel anliegerfrei ab 20 Uhr), wenn die Betreiber vor dem Lokal für Ruhe sorgen und wenn die Ordnungshüter eine weitaus stärkere Präsenz zeigen.

Sibylle Seitz, Amberg

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