Leserbriefe Biber bringen uns Wildnis zurück

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In dem Artikel wird der Zusammenhang zwischen einer Blaualgen-Blüte und dem Vorkommen des Bibers an der Vils hergestellt. Dieser Schluss ist abenteuerlich. Bis auf Ausnahme der Zeit zwischen 1867 und etwa der 90er Jahre hat es immer Biber an der Vils gegeben. Denn diese gibt es seit 15 Millionen Jahren. Wir haben sie im 19 Jahrhundert ausgerottet. Nicht, weil sie als Störenfriede angesehen wurden. Nein, unsere Vorfahren nutzten Fell, Fleisch und Bibergeil.

Kraftwerk-Betreiber Helmut Kraus hat eine Erklärung parat für das Algenwachstum. Biber beißen die Bäume ab und damit scheine die Sonne stärker und die Landwirtschaft tue durch Düngereintrag ein Übriges. Beiträge leisten diese Verursacher durchaus. Doch wenn schon Analyse, dann eine umfassende: Blaualgen werden durch Sedimentation und Stagnation beziehungsweise geringer Strömung gefördert. Hätten wir mehr Strömung, gäbe es mehr Grünalgen.

Die festgestellte Blaualgen-Art Oscillatoria limosa wäre in einem ordentlich fließenden Fluss kaum anzutreffen. Daran würden auch Biber kaum etwas ändern. Wer allerdings den Fluss durch Wasserkraftnutzung kastriert und die Dynamik rausnimmt, ist sicher eher Verursacher eines solchen Phänomens. Die Analysen, dass Biber in ihrem Bestand reduziert werden müssen, sind so nicht richtig. Seit vielen Jahren werden Biber, die unter Naturschutz (!) stehen, mit Genehmigungen der Landratsämter, gefangen und geschossen. Die jährliche Abfang- und Abschusszahl von über 1000 Tiere pro Jahr in Bayern zeigt, dass gehandelt wird. Was also noch? An der Vils ist Abfang nicht sinnvoll. Es gäbe auch keinen vernünftigen Grund dafür.

Biber an den Pranger zu stellen, ist einfach. Doch sie erbringen nachweislich viel für dezentralen Hochwasserschutz und für Artenvielfalt. Dass sie auch Kosten verursachen ist unbenommen, doch diese stehen dem Nutzen, den die Tiere erbringen, weit nach. In der Vorwoche veröffentlichte das Bundesamt für Naturschutz den sogenannten Artenschutz-Report. Ergebnis: 31 Prozent unserer vorkommenden Arten sind in ihrem Bestand gefährdet. Hauptverursacher sei die intensive Landwirtschaft.

Was uns immer mehr fehlt ist Wildnis. Biber bringen sie uns zurück. Sicher, sie fordern uns heraus und ärgern uns als Nutzer. Aber wir sollten die Herausforderung annehmen und mit Wildtieren leben und Fließgewässern wieder Platz geben.

Horst SchwemmerBibermanager für NordbayernSulzbach-Rosenberg

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