Leserbriefe Bittere Realsatiren

Zu den beiden Artikeln "Urne verschollen" und "Aufregung um Leichenteile", erschienen am 1. Juli:

Sie haben es nicht leicht, die frisch Verstorbenen unserer heutigen, modernen Tage. Nicht nur, dass sie im Schnellverfahren verschürt werden, statt - wie vorher üblich - ökologisch "zur Erde zurückzukehren". Dann müssen sie auch als verbrannte Reste wochenlang auf die Bestattung warten. Soweit bekannt und normal.

Neu ist nun freilich die Information, dass sie das - jeweils verschollen - zweigeteilt tun dürfen: Der eine Teil, die handlichere Bröselasche, im Berg unerledigter Pakete im Postverteilungszentrum, der andere, die sperrigeren Relikte, fliegenumtost im offenen Container vor dem Krematorium beim vergeblichen Warten auf den Wolkenbruch.

Reality, die man selbst im Genre des Absurden Theater als überzogen unrealistisch ansehen würde. Ach so: Im Normalfall wären die mit dem Bauschutt weggegangen. Alles normal, sagt der Oberheizer. Happy New Burn. Geht's noch weiter? Ja: "Das ist eines der Vorzeigeobjekte in meiner Gemeinde", sagt der Bürgermeister, nachdem sich fotografierende Bürger über den Abfallcontainer mit nicht vollständig verbrannten Leichenteilen beugten.

Wilhelm GötzAmberg

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