Leserbriefe Da geht's tatsächlich nicht nur ums Sterben

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Was Besseres kann einem Palliativpatienten nicht passieren... - ist eine zweifellos doch provozierende Überschrift zu meinem Aufenthalt auf der Palliativstation im hiesigen Krankenhaus St. Marien. Angeregt durch einen Pressebericht in der Amberger Zeitung mit der Überschrift "Da geht's nicht nur ums Sterben" und meinen letzten Aufenthalt auf der Palliativstation vom 28. Juli bis 4. August möchte ich mit den Überzeugungen eines langjährigen Krebspatienten über meine Erfahrungen mit der hiesigen Palliativstation berichten.

Im Alter von 51 Jahren erkrankte ich an einer fortgeschrittenen bösartigen Tumorerkrankung und nach inzwischen 18 Jahren Krebserfahrung mit Operation, Hormon- und Strahlentherapie bin ich inzwischen austherapiert. Das heißt, eine Heilung ist nicht mehr möglich. Seit nahezu einem Jahr lebe ich mittels Schmerzpumpe absolut schmerzfrei. Das verdanke ich ausschließlich der hervorragenden Schmerztherapie, die auf dieser Station über Oberarzt Dr. Jochen Pfirstinger und Dr. Karin Schrüfer angeboten werden. Besonders hervorzuheben ist auch das überaus patientenfreundliche Pflegepersonal unter Leitung von Tobias Reif.

So fühlt sich der Patient eingebunden in ein Netzwerk guter Geister , die ihre ganze Erfahrung und Kompetenz zum Wohle des Patienten einsetzen. Ob es der psychoonkologische Dienst auch durch Maria Carla Tealdi-Breitwieser ist, die neben dem Patienten auch den Familienangehörigen stets helfend und beratend zur Seite steht, ob es die unentwegt und mit großem ehrenamtlichen Engagement tätigen Mitarbeiterinnen des Hospizvereins sind, es macht meine Überschrift doch zunehmend erklärbar: Was Besseres kann einem Palliativpatienten nicht passieren.

Vor wenigen Tagen wurde ich erneut auf die Palliativstation eingewiesen. Bereits nach einer Woche intensiver Behandlung stand ich nach gewonnener Lebensqualität wieder auf den Beinen.

Es ist einfach nur schade, dass man - in großen Teilen der Bevölkerung - der Palliativstation mit so vielen Vorurteilen begegnet. Es ist nämlich wirklich so, wie Sie in Ihrem Artikel sehr zutreffend formuliert haben: Da geht's nicht nur ums Sterben.

Ich habe natürlich auch wahrgenommen, dass im Krankenzimmer nebenan ein Patient während der Nacht verstorben ist und vor seiner Türe eine Kerze brannte. Auch das sind Eindrücke, die nahegehen. Trotzdem: Es wird für die schwer Erkrankten alles nur Menschenmögliche getan. Und das kann noch sehr viel sein. Dort, wo aus welchen Gründen auch immer keine Hilfe mehr möglich ist, da weiß sich der Patient durch die professionelle - aber immer noch menschliche - Zuwendung in wunderbarer Weise umsorgt und begleitet.

Ernst-Jürgen RexAmberg

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