Leserbriefe Diffamierung von Soldaten hilft nicht weiter

Zu den Berichten "Es gibt 100 Millionen Gründe" und "Geht es auch kleiner?":

Die AZ hat völlig recht, wenn sie mit "Alte Kameraden" den Marsch, - komponiert nach dem "Frankreichfeldzug 1870/71" - meint. Der passt wirklich nicht zum Volkstrauertag. Ich stimme auch zu, wenn die AZ damit die "Ewig Gestrigen" meint, die Rückwärtsgewandten, die dem Großdeutschen Reich nachtrauern. Vermutlich bin auch ich - Jahrgang 1948 - in die "Alten Kameraden" einzureihen.

Einig sind wir uns im Ziel, keinen Krieg führen zu müssen. Da hilft aber die Diffamierung von Soldaten nicht weiter. Ihre Karikatur der Soldaten als Militaristen, die mit "glänzenden Stahlhelmen Befehle bellend Waffen präsentieren" erhielte vielleicht in der Journalistenschule das Prädikat "farbiger Ausdruck", ergäbe aber gleichzeitig eine 6 wegen Themaverfehlung; denn die Botschaft soll doch sein: Nie wieder Krieg! Richtig?

Natürlich sind gewaltfreie Konfliktlösungen die erste Wahl. Aber nur eigenes Gewicht und die Einbettung in ein starkes Bündnis führen Verhandlungen mit gewaltgeneigten Gruppierungen zum Erfolg. Aus der Geschichte ist mir kein einziger Staat bekannt, der längere Zeit ohne Waffen in Frieden hätte existieren können.

Auch für die Zukunft dürfte das "Frieden schaffen ohne Waffen" sich als Illusion erweisen, weil die Menschen nun mal unvollkommen sind. Robert Aumann - er hat den Nobelpreis Wirtschaftswissenschaften 2005 für seine "grundlegenden Beiträge zur Spieltheorie und zum besseren Verständnis von Konflikt und Kooperation" erhalten - folgert aus seiner Forschung: "Wer Schwäche zeigt, lädt zur Aggression ein."

Zu "keine Schwäche zeigen" in Bezug auf äußere Sicherheit gehören übrigens meiner Ansicht nach nicht nur ernst zu nehmende Streitkräfte, sondern auch der klare politische Wille, sie notfalls einzusetzen.

Und dazu brauchen wir "Uniformen und Stahlhelme". Und wir brauchen motivierte Soldaten, die sich ihres Rückhaltes in der Bevölkerung sicher sind.

Der Mensch hat sich leider seit der Antike nicht geändert: Es gelten immer noch die römischen Weisheiten "lupus homo homini" (Plautus) und "Si vis pacem, para bellum." (nach Vegetius) oder um es moderner auszudrücken: Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt." (Friedrich Schiller: Wilhelm Tell IV 3)

Erwin Niklaus, Oberstleutnant a.D., Amberg
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