Leserbriefe "Eigener Dialekt wollte sich nicht unterordnen"

Zur Kritik unseres freien Mitarbeiters zum Auftritt des "Kreuzer Ensembles" beim Fockenfelder Schlosskonzert erreichte uns folgende Zuschrift:

Es freut mich, dass Thomas Göttinger am Konzert Gefallen fand - wir als Chorsängerinnen sind immer sehr gespannt auf die Reaktionen der Kritiker. So könnte ich mich also zufrieden zurücklehnen und mich auf das nächste Konzert freuen.

Wenn mich nicht seine Einschätzung gegen Ende der Besprechung umtreiben würde: "Nur die Übertragung des Textes ins Oberpfälzische hätte es vielleicht nicht unbedingt gebraucht." Das be- und trifft mich, denn ich war die Übertragerin sowie die Chorleiterin. Der Kritiker lässt mit seinem "vielleicht" eine andere Sicht zu. Da hake ich ein: Doch! Es musste sein!

Grund 1: Der Originaltext der Weihnachtsgeschichte ist in oberbayerischer Mundart geschrieben. Keine der Sprecherinnen beherrscht diesen Dialekt annähernd so gut, dass der Vortrag im Publikum nicht des Öfteren für ein nachsichtiges Schmunzeln gesorgt hätte. Der Bayer soll die Mundart sprechen, die er beherrscht.

Grund 2: Schon bei der Übertragung der Texte ins Oberpfälzische entstanden lebhafte Diskussionen darüber, wie bestimmte, bei uns nicht übliche Bezeichnungen, zu ersetzen sind beziehungsweise welche Wörter verwendet und wie diese Wörter ausgesprochen werden sollten. Jede der drei Sprecherinnen wuchs mit einer anderen "Abart" des Stiftländer Dialekts auf. So wurde durch die Falkenberger Sprecherin aus "die Schafe", im Übersetzungsvorschlag "d' Schouf", zu "d' Schoufa". Das vorgeschlagene (Bärnauer) "diatz" wurde durch die Mitterteicher Sprecherin zu "enk" - weil sich der eigene, mit der Muttermilch eingesaugte Dialekt, nicht unterordnen wollte.

Grund 3: Schon 1979 schrieb Dr. Adolf Eichenseer, Bezirksheimatpfleger a. D., im Vorwort zu seiner Liedsammlung "Kinderlieder aus der Oberpfalz": "Achtet vor allem darauf, Texte und Melodien nicht zu starr zu behandeln! Unsere Vorfahren haben sich alles zurechtgesungen: Sie haben die Sprache neuer Lieder ihrem örtlichen Dialekt angeglichen, ... eignet sie euch an ... zum großen Vergnügen all derer, die Euch zuhören."

Maximilian Schnurrer hat die "Heilige Nacht" von Ludwig Thoma ins Oberpfälzische, genauer ins Stiftländische übertragen. Es ging ihm darum, uns Stiftländern über die Sprache einen innigeren Zugang zur Urfassung zu schenken. Der Mensch denkt und fühlt am besten in seiner Muttersprache. Auch er hat versucht die Fülle der Färbungen und Ausdrücke der Stiftländer Mundart von Bärnau bis Friedenfels, von Waldsassen bis Plößberg zu berücksichtigen - abgesehen davon, dass er Versform und Reimschema nicht einfach 1:1 übersetzen konnte.

Monika Kunz,Kreisheimatpflegerin für Volksmusik, 95698 Neualbenreuth

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