Leserbriefe Führen an der Leine hat keinen Einfluss auf die ausgeschiedene Menge Hundekot

Zum Artikel "Letzter Anlauf zum Leinenzwang" (26. November) und dem Leserbrief "Kulturlandschaft nicht zur Hundespielwiese degradieren" (1. Dezember):

Der Stadtrat hat entschieden. Über ein Jahr wurde um die Ausgestaltung der Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet Ammerbachtal gerungen. In einem demokratischen Prozess kam man schließlich zu einer Kompromisslösung.

Wobei bis zur letzten Abstimmung die Ewig-Gestrigen auf ihren Extrempositionen beharrten. Gewonnen haben die Naturschützer: So sollen sich Spaziergänger und Hundebesitzer - anders als es vorher gängige Praxis war - auf die Wege beschränken und nicht mehr kreuz und quer die Flächen betreten. Zugunsten der Bodenbrüter und der Pflanzen, die sich auf den Wiesen ausbreiten dürfen. Das Schlimmste verhindert haben aber auch die Hundebesitzer. In einer für Amberg beispiellosen Aktion kamen 1700 Unterschriften (davon über 1000 von Stadtbewohnern) zusammen, die "Freilauf im Ammerbachtal erhalten!" forderten. Das fand wohl bei der Mehrheit des Stadtrats Gehör: für eine artgerechte Hundehaltung, wie sie im Tierschutzgesetz verankert ist und in Übereinstimmung mit der Bayerischen Hundeverordnung, die Freilauf außerhalb von bebautem Gebiet auf Wegen ausdrücklich erlaubt.

Man müsste denken, dass nun alle mit diesem Ergebnis leben können. Am flexibelsten und entgegenkommendsten zeigten sich die Hundebesitzer. Wobei sie sich auch nicht jeden Bären (oder jede Feldlerche?) auf die Nase binden lassen. Doch, was nun passiert, ist ein beispielloses Nachtarocken mit der ewig gleichen monotonen hanebüchenen Polemik. Ein paar Beispiele: die Verquickung des Freilaufthemas mit dem Bäh-Thema Hundekot. Dabei ist wissenschaftlich erwiesen, dass das Führen an einer Leine keinen Einfluss auf die ausgeschiedene Menge Hundekot hat. Die Hundegegner weisen auf die "enormen Kosten" hin, die für die "Entsorgung des verseuchten Grases" anfallen würden, als handle es sich um Atommüll. Interessanterweise ist das für den beweidenden Schäfer, der ja angeblich der Hauptleidtragende dieser beispiellosen Vergiftung sein soll, kein Thema. "Hundekot fällt nicht ins Gewicht", sagte der Schäfer wörtlich. Und das Aufstellen der geplanten Dog-Stations mit Sammelsäckchen und Abfallbehältern wird mit Sicherheit auch dazu beitragen, die Ankunftsstellen zu entlasten.

"Bisher mussten die 1200 Hundebesitzer mit der Kräuterwiese auskommen." Welch absurde Verkennung der Realität! Nein. Müssen sie nicht und tun sie nicht. Außerhalb von bebautem Gebiet ist Freilauf auf den Wegen erlaubt (siehe Hundeverordnung der Stadt Amberg). Egal, mit welchen abenteuerlichen Zahlen Leserbriefschreiber Erwin Niklaus und Grünen-Stadtrat Hans-Jürgen Bumes jonglieren: Fakt ist, dass als Freilaufflächen gerade einmal fünf Prozent des Gebiets für die Hundebesitzer übrig bleiben. Wir sind sehr gespannt, wie hoch die Stadt die Kosten der Freilaufränder entlang der Wege beziffern wird. Was kostet es (mehr oder weniger als vorher?), wenn ein Hund wenige Meter seitlich vom Weg in die Wiese geht? Die Hundesteuer von etwa 80 000 Euro im Jahr kann gerne gegengerechnet werden.

"Zigtausend Quadratmeter ökologisch wertvoller Magerrasen werden durch Hunde entwertet". Ja, was soll man da noch sagen? Wo so ein Hund mit seinen scharfen Pfoten die Wiesen umpflügt wächst eben kein Gras mehr. Man fragt sich, ob der Leserbriefschreiber sich jemals eine Hundepfote von Nahem angesehen hat? Verwechselt er das mit versteinerten Dinosaurierfußabdrücken? Als Sprecherinnen der Interessenvereinigung Mensch und Hund Amberg möchten wir uns bei der Stadt Amberg, insbesondere Oberbürgermeister Michael Cerny, Umweltreferent Dr.Bernhard Mitko und allen auf Ausgewogenheit bedachten Stadträten bedanken. Weil sie die Bedürfnisse der Hundebesitzer gehört und zumindest teilweise berücksichtigt haben. Und weil wir überzeugt sind, dass bei einem friedlichen Miteinander nun mal jeder Abstriche hinnehmen muss.

Wir möchten mit einem sinngemäßen Zitat von SPD-Stadtrat Volker Binner schließen: "Hardlinern kann man eben nicht helfen."

Susanne Kohlhoff undDr. Ellen Eckl, Sprecherinnender InteressengemeinschaftMensch und Hund Amberg
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