Leserbriefe Gute Zeiten der Sparkassen sind vorbei

Zu unserer Berichterstattung und mehreren Leserbriefen über die geplante Zusammenlegung von Filialen der Sparkasse Amberg-Sulzbach:

Ich bin seit über 30 Jahren Beschäftigter der Sparkasse Amberg-Sulzbach und habe die Diskussion in der Amberger Zeitung zu diesem Thema aufmerksam verfolgt. Ich würde mit diesem Leserbrief gerne zur Versachlichung des Themas beitragen.

Ich kann die Bedenken der Betroffenen nachvollziehen, wenn künftig die Leistungen nicht mehr wie bisher vor Ort angeboten werden. Muss man doch etwas Gewohntes aufgeben, bzw. verlangt es Veränderungen von einem oder ist mit Einschränkungen verbunden. Was mir bisher einfach fehlt: Anscheinend hinterfragt niemand, warum die Sparkasse dies machen will. Vielmehr wird gleich von nicht zu überbietender Arroganz und "goldenen Schlössern" gesprochen.

Wer aber in der letzten Zeit die Nachrichten aufmerksam verfolgt hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass die guten Zeiten der Sparkassen und Genossenschaftsbanken vorbei sind. Erhebungen und Fachpublikationen zeigen auf, dass die Institute, die nichts unternehmen, in naher Zukunft ernsthafte Probleme bekommen und in ihrem Fortbestand gefährdet sein werden. Wieso, was ist passiert? Gerade diese Bankengruppe hat doch in den Zeiten der Finanzkrise die beste Stabilität gezeigt und ihr wurde von der Bevölkerung das größte Vertrauen ausgesprochen.

Stark sinkende Zinseinnahmen, verbunden mit einem hohen Kostenblock sowie den Regulierungskosten aus Basel III, gefährden dieses Geschäftsmodell:

1. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinspolitik der EZB können nur noch bedingt Zinseinnahmen aus der überschüssigen Liquidität (was nicht in Form von Krediten ausgereicht werden kann) generiert werden; für Gelder bei der Bundesbank bekommt man keine Verzinsung; auch Bundesanleihen werfen nichts mehr ab.

2. Durch den Druck auf die Zinsmargen gehen die Einnahmen weiter zurück.

3. Durch immer stärkere Regulierungen (Basel III) können in Relation zu früher weniger Kredite im Verhältnis zum Eigenkapital ausgereicht werden.

4. Obwohl die Sparkassen und Genossenschaftsbanken über eigene gut ausgestattete Stützungsfonds verfügen, müssen sie jetzt zusätzlich in einen Bankenfonds einzahlen.

5. Hinzu kommen hohe Sach- und Personalkosten, die durch das dichteste Filialnetz entstehen.

6. Zusätzliche Einnahmen aus dem Investmentbanking, aus der Begleitung von Unternehmen an die Börse und der Begebung von Schuldverschreibungen, sind dieser Bankengruppe verwehrt.

Hinzu kommt, dass aufgrund des veränderten Verhaltens der Kunden die Frequentierung diverser Geschäftsstellen stark nachgelassen hat. Wer angesichts der vorstehend aufgezeigten Entwicklung nicht reagiert und den Kopf in den Sand steckt, gefährdet auf mittlere Sicht den Fortbestand des Institutes und ist ein schlechter Geschäftsführer.

Unter diesem Gesichtspunkt möchte ich alle Betroffenen noch mal bitten, zu prüfen, ob die Sparkasse mit der Schaffung von Auszahlungsstellen, einem mobilen Vertrieb, der die Kunden auch außerhalb der Geschäftszeiten zu Hause besucht, dem Telefonteam, das 24 Stunden erreichbar ist und zu den Hauptzeiten auch über Berater verfügt, um direkt und ohne Weitervermittlung helfen zu können, einen Großteil der Kundenbedürfnisse erfüllen kann.

Ich bin der Meinung, wenn wir auf Dauer eine regional eigenständige Sparkasse oder Genossenschaftsbank haben wollen, werden wir um Veränderungen nicht umhin kommen, ausgehend von den jetzigen Marktbedingungen.

Reiner DonhauserAmberg

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