Leserbriefe In Nürnberg das ganze Spektrum alternativer Bestattungsformen

Zum Artikel "Urnen im Trend" (AZ vom 29./30. August) erreichten uns zwei Leserzuschriften.

Derzeit ist bald wöchentlich von Überlegungen verschiedener Gemeinden zu alternativen Bestattungsformen in der Zeitung zu lesen. Aus Eigeninteresse, aus denkmalpflegerischer Sicht und im Rahmen des kürzlich stattgefundenen Wettbewerbs habe ich mich intensiv mit dem Thema befasst.

Bis vor wenigen Jahrzehnten war die Erdbestattung, gleichgültig ob Sarg oder Urne, selbstverständlich. Dann entschlossen sich die Friedhofsverantwortlichen - zuerst in Großstädten -, die Beisetzung in Urnenwänden anzubieten, ohne die Folgeerscheinungen zu erahnen. Hintergrund für den Trauernden war meist das Loslassen, sich um nichts mehr kümmern zu brauchen. Vereinzelt kamen sicher auch finanzielle Aspekte hinzu.

Das Loslassen ist, oft auch weil die Verantwortlichen nicht konsequent genug waren, die Friedhofsordnung durchzusetzen, gründlich misslungen. Unmengen verwelkter Blumen und erloschener Kerzen vor den Urnenwänden legen vor allem nach Geburts- und Todestagen, nach Allerseelen usw. beredtes Zeugnis ab. "Ich entferne die verwelkten Blumen stets", ist dann zu hören. Doch was geschieht mit denen von Freunden, Vereinen usw., die niedergelegt werden und bei denen kein Bezug zum Verstorbenen erkennbar ist?

Ein Problem, welches scheinbar in weiter Ferne ist, aber doch sehr nah sein kann: Was geht wohl im Kopf und Herzen einer/eines vor der Urnenwand Trauernden vor, deren/dessen Angehöriger vor wenigen Wochen hier beigesetzt wurde, wenn nun ein Arbeiter in dessen Beisein die Betonsäge anwirft? Schließlich muss auch eine Urnenwand einmal repariert werden! In einigen Großstädten, zum Beispiel Nürnberg, werden aus diesen Gründen keine Urnenwände mehr aufgestellt. Zu Recht wird der Standpunkt vertreten, dass eine Beisetzung in einem Urnengrab nicht teurer, jedoch weitaus geschmackvoller ist. Gleich kommt dann das Argument, dass kein Angehöriger in der Lage sei, das Grab zu pflegen. Es gibt Gärtner, die man damit beauftragen kann. Wer dies, vielleicht aus Kostengründen, nicht will, lässt eine Platte auf das Grab legen.

Eine geschmackvolle Alternative sind die auf einigen Friedhöfen, zum Beispiel Illschwang, eingeführten Urnen-Stelen oder, ein Kompromiss, Urnenwände wie in Ammerthal. Bei letzterer ist jeder Urnennische ein gleichgroßes Feld für Blumenschmuck zugeordnet. Auch bei diesen Alternativen sollte die Friedhofsordnung bezüglich Blumenschmuck usw. konsequent durchgesetzt werden. So könnte beispielsweise in der Satzung festgeschrieben werden, dass Blumenschmuck nur am Todestag und den folgenden acht Tagen zulässig ist. Das setzt natürlich voraus, dass der Todestag auf der Stele oder Urnenwand vermerkt ist.

Die anonyme Bestattung als Alternative? Wenn keine Nachkommen vorhanden sind, eine nachvollziehbare Entscheidung. Sollten Kinder oder Enkelkinder vorhanden sein, fehlt diesen ein für alle Mal der Bezug zu ihren Eltern, ihren Großeltern. Heute stehen die dann Betroffenen dem Gedanken vielleicht gleichgültig gegenüber, doch durch Unvorhersehbares kann morgen schon die Nähe zum Verstorbenen gesucht werden. Gleiches gilt für Seebestattungen.

Dies als Denkansatz für die Entscheidungsträger und Trauernden. Das ganze Spektrum alternativer Bestattungsformen deckt der Musterfriedhof am Südfriedhof in Nürnberg ab. Dieser sollte jedoch im Rahmen einer Führung begangen werden.

Dieter Dörner, Kreisheimatpfleger
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