Leserbriefe Kulturlandschaft nicht zur Hundespielwiese degradieren

Zum Artikel "Letzter Anlauf zum Leinenzwang" (26. November):

Erst sang der Oberbürgermeister bei der Verleihung des Umweltpreises der Stadt das Hohelied vom Kiebitz, dann lies der Stadtrat die Hunde auf die Bodenbrüter los. Die Verwaltung macht durchwegs eine gute Figur. In der Stadtratssitzung war sie aber bei der Behandlung des Punktes Hundefreilaufflächen im Landschaftsschutzgebiet Ammerbachtal nicht sattelfest.

Die Beschlussvorlage begründet den Bedarf damit, dass die beiden vorgesehenen Hundefreilaufflächen mit insgesamt rund 15 000 Quadratmetern "von vielen Hundebesitzern als zu wenig angesehen" wurden. Daher würde man eine dritte Wiese und Streifen beiderseits der Hauptwege vorschlagen. Auf Nachfrage, wie viele Quadratmeter diese Streifen umfassten, erhielt der Stadtrat Hans-Jürgen Bumes die erstaunliche Antwort, das könne man nicht berechnen. Das erledigte Bumes in der Sitzung. Er gehe etwa eine Stunde auf den vorgesehenen Wegen; das seien etwa vier Kilometer. Sind die Streifen je zehn Meter breit, ergebe dies etwa 80 000 weitere Quadratmeter. Ohne selbst den Bedarf festzustellen und ohne genaue Berechnung lässt die Verwaltung für die 1200 Hunde der Stadt, die bisher mit der 5000 Quadratmeter großen Freilauffläche Kräuterwiese auskommen müssen, weitere 100 000 Quadratmeter bereitstellen. Die Verwaltung schreibt in der gleichen Vorlage aber verschämt, dass die Festlegung von Grillplätzen wünschenswert wäre, weil das das Landschaftsschutzgebiet vom wilden Grillen entlaste. Merke: Eine Entlastung des Landschaftsschutzgebiets durch Festlegung von Grillplätzen ist leider unmöglich, eine Belastung durch Hundekot schon.

Die Vorlage verliert kein Wort über den laufenden Kosten der Freilaufflächen. Diese weiteren 100 000 Quadratmeter müssen von der Stadt gepflegt werden. Als Schafweide taugen sie nicht. Das Mähgut muss entsorgt werden. Die Stadt Neumarkt hat die Ausweisung einer öffentlichen Hundefläche von 8000 Quadratmetern abgelehnt, weil die Pflege zu teuer sei und man auch dem Bauhof nicht die Entsorgung des Hundekots zumuten wolle. Sollte man da in Amberg nicht eine Nummer kleiner planen?

Zusätzliches Geld soll für Flächenankauf vom Bund aufgewandt werden. Ich traute meinen Ohren nicht, als der Stadtrat folgenden Auftrag beschloss: "Dazu (für einen Hundefreilaufstreifen am Nordrand des Ammerthaler Wegs) soll das Liegenschaftsamt versuchen, soviel Fläche wie möglich vom staatlichen Bauamt zu erwerben." Das wären bei zehn Meter breiten Streifen weitere 10 000 Quadratmeter. Widersinnig ist die Festlegung von Freilaufstreifen beiderseits des Ammerthaler Wegs von der Rammertshofer Mühle Richtung Ammerthal. Zwar heißt es in der Vorlage: Hundefreilauf sei "im Wald (...) naturschutzfachlich nicht vertretbar, nun verläuft dieses Wegstück aber im Wald; bis auf die Fläche eines historischen Hutewaldes. Er entstand durch Viehbeweidung und ähnelt eher einem Park. Wollen wir dieses seltene Relikt einer alten Kulturlandschaft zur Hundespielwiese degradieren?

Die einen sagen, dass Amberg eben eine hundefreundliche Stadt sei, die anderen, dass Amberg auf den Hund gekommen ist. Unstrittig ist, dass ausgerechnet auf Kosten unseres zukünftigen Landschaftsschutzgebietes Ammerbachtal Zigtausend Quadratmeter ökologisch wertvoller Magerrasen durch Hunde entwertet werden. Die Bürger aber dürfen nicht grillen. Sie können nicht einmal unbeschwert spazieren gehen, weil sie jederzeit damit rechnen müssen, von einem Hund freudig angesprungen zu werden. Der Oberbürgermeister ermahnte die Stadträte, nicht die Interessen der Hundefreunde gegen Interessen der Kinder zu setzen. Vielleicht meinte er aber eher die Aufkleber im Ammerbachtal: "Kinder dürfen frei laufen; warum nicht mein Hund?"

Erwin Niklaus, Amberg

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