Leserbriefe Luftsportgruppe muss ihren Kurs korrigieren

Zum Artikel "Betreten verboten" vom 20. November:

Der Vorsitzende der Luftsportgruppe Amberg, Alexander Krone, wirbt in dem Artikel für Verständnis und gegenseitige Rücksichtnahme, um eine konfliktfreie Nutzung des ehemaligen Übungsgeländes zu gewährleisten.

Nur: Wer genau soll Rücksicht nehmen? Krone meint damit Naherholungssuchende, also Spaziergänger, Wanderer, Radfahrer, Familien auf Sonntagsausflug, spielende und tobende Kinder, Hundehalter, Reiter. Also, kurz gesagt: uns alle. Wir alle sollen also Rücksicht nehmen - Familien, Kinder und Hunde nicht im Herzstück des Naherholungsgebietes spielen, toben, Picknick machen, sich in den Sommermonaten nicht am Wasser des Baches erfrischen. Worauf genau sollen wir Rücksicht nehmen? Damit ein gutes Dutzend Luftsport- begeisterter Hobbyflieger ungestört seinem Hobby nachgehen kann.

Nun ist es aber so, dass es für die allermeisten Bürger der Stadt und des Umlandes weder erschwinglich noch erstrebenswert ist, in die Lüfte zu gehen. Wäre da nicht der umgekehrte Denkansatz logischer? Muss nicht die kleine Gruppe von Fliegern rücksichtsvoll und maßvoll mit den Interessen der Allgemeinheit umgehen? "Betreten verboten" - Ansagen alleine reichen da nicht aus.

Es muss auch allen klar sein, dass der Luftsport den Zweck der Einrichtung eines Landschaftsschutzgebietes - die Ansiedlung von Bodenbrütern - gefährdet. Unter Fachleuten ist unbestritten, dass Feldlerchen und Co. die Silhouetten von Segelflugzeugen für Greifvögel halten und das Gebiet entsprechend meiden. Erstaunlicherweise wird dieser Umstand von Vertretern der Stadt und des Naturschutzes stets "übersehen".

Seinerzeit war nach Abzug des Militärs wohl nicht absehbar, wie gut und umfassend die Allgemeinheit das brachliegende Gelände als Naherholungsgebiet für sich entdecken würde. Nur so ist es zu erklären, dass man einem die Allgemeinheit einschränkenden Flugbetrieb im Herzen des Geländes zugestimmt hat. Eine allmähliche Kurskorrektur ist daher nötig.

Die Stadt hat mit der zitierten öffentlichen Diskussion zur Ausweisung des Landschaftsschutzgebietes einen ersten Schritt in die richtige Richtung getan. Mehr Bürgergespräche sollten folgen. Eins ist aber klar: Die Bürger brauchen den Luftsport nicht, die Luftsportgruppe aber sehr wohl die Bürger.

Arno Kohlhoff, Amberg

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