Leserbriefe ÖPNV: Amberg hinkt allgemeinen Trends hinterher

Zum Artikel "Der Verkehrsinfarkt droht" in der Samstagsausgabe, 31. Oktober:

Es ist zwar erfreulich, dass sich ZNAS-Geschäftsführer Hans-Jürgen Haas alternative Routen für die Citybuslinien einfallen lässt, damit die Fahrgäste pünktlich die Endhaltestellen erreichen, jedoch wird damit das eigentliche Problem nicht gelöst. Es wird lediglich dazu führen, dass die Linienführung der Citybusse immer öfter geändert werden muss, bis irgendwann keiner mehr genau weiß, welche Haltestellen wann und wo auf welcher Linie bedient werden. Das hohe Verkehrsaufkommen wird bleiben. Folglich werden immer mehr Fahrgäste wieder auf ihren Pkw umsteigen, was dazu führt, dass die Problematik noch größer wird.

Jedoch sollte man nicht immer nur Kritik üben, sondern über dauerhafte Lösungen nachdenken. Die Citybuslinien fahren seit etwa 20 Jahren im selben Takt; das Verkehrsaufkommen ist jedoch drastisch gestiegen. Mein Vorschlag wäre, den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu gestalten, also auszubauen, um noch mehr Leuten das Umsteigen auf Busse und Taxis zu erleichtern.

Meine Erfahrungen als Busfahrer im nationalem und internationalem Reise- und Fernlinienverkehr wecken in mir den Eindruck, dass die Stadt Amberg dem allgemeinem Trend etwas hinterherhinkt. Es sind sehr viele Mittel- und Kleinstädte bereits dazu übergegangen, den öffentlichen Verkehrsmitteln absoluten Vorrang einzuräumen und damit Fahrten mit dem Pkw unrentabel werden zu lassen. Dann könnte man die Taktung der Linien von 30 auf 20 oder 15 Minuten verkürzen, was eine weitere interessante Alternative zum Auto bieten würde.

Es gibt in Amberg mehr als genügend Parkraum am Stadtrand, von wo aus die Citybusse im Shuttleservice zum Bahnhof fahren könnten. Es wird sich aber finanziell nur rechnen, wenn der Bus und das Taxi wesentlich schneller in der Stadt vorankommen als der Individualverkehr. Nachdem ja Amberg über ein Ampelsystem der Firma Siemens verfügt, dürfte es keinen all zu großen Aufwand erfordern, die Busse so umzurüsten, dass diese, wie in Weiden seit Jahren üblich, auf grüne Welle schalten können. Eine Verlegung der Haltestellen wäre nicht mehr nötig. Und es wäre in Amberg auch möglich, separate Fahrstreifen auszuweisen, auf denen nur Bussen, Taxen und alternativ Elektrofahrzeugen ein schnelleres Vorankommen ermöglicht werden kann. Mit dieser Einstellung dürfte die Sperrung der Regensburger Straße im Jahr 2018 nur sturköpfigen, ewiggestrig Denkenden Kopfschmerzen verursachen. Wie war das nochmal mit den Werbekampagnen "Umparken im Kopf" oder "Vielleicht hätte man jemanden fragen sollen, der sich mit so was auskennt" ? Ach ja, und sollte das Wetter bis 2018 noch mal schöner werden, wir haben in Amberg ein relativ gut ausgebautes Radwegenetz.

Günter StorchAmberg

___

Leserbriefe müssen nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben. Die Redaktion behält sich vor, sie sinnwahrend zu kürzen.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.