Leserbriefe Rückepferde, Schlepper und Harvester kombinieren

Zum Artikel "Wenn der Wald Wege braucht":

Im ersten Absatz ist von einem Problem die Rede, "das durch (Rücke)Pferde und (kleine) Schlepper aufgetaucht war". Weiter heißt es, dass bei diesen Arbeiten "weitere Bäume angerandelt wurden". Offenbar ist diese Passage versehentlich aus dem Zusammenhang gerissen worden. Sicher unbeabsichtigt wird suggeriert, dass das Holzrücken mit Rückepferden ein Problem war und dies jetzt durch Harvester und Forwarder gelöst ist. Ich kann mir vorstellen, dass eher folgende, für das Gesamtverständnis wichtige Zusatzinformation im Gespräch mit dem Forstamt erörtert wurde:

Die angebliche Rändelung eines 1-PS-Kaltblut-Rückepferdes mit einem Gesamtgewicht von 700 Kilo im Vergleich zu den 200 bis 400 PS und 20 bis 40 Tonnen des Harvesters sowie dem quasi in Maschinenunion tätigen Forwarders einschließlich des hohen, zugkraftbedingten Schlupfes ist nicht wirklich messbar. 15 bis 30 PS eines Kleinschleppers mit 1500 bis 2500 Kilo Gewicht führen zu signifikant geringeren Schäden, als bei Harvester und Forwarder.

Diese Geräte verursachen zwangsläufig in den Rückegassen massenhafte Wurzelquetschungen - jahrzehntelang andauernde, also nachhaltige Bodenverdichtung und tausendfache Zermalmung der Naturverjüngung. Kumuliert liegen diese nachhaltigen Schäden zwischen geschätzten 5 und 15 Euro je geerntetem Festmeter. Addiert der Waldbesitzer diesen Wert mit den Rückekosten für Harvester und Forwarder von etwa 20 Euro pro Festmeter in seiner Nachhaltigkeitsrechnung, liegen Kosten und Schaden zusammen wesentlich über den Ausgaben, die durch die Bringung durch Rückepferde entstehen. In dieser Rechnung wären dann noch der Dieselverbrauch und die CO2-Belastung je Festmeter qualitativ und quantitativ zu bewerten.

Wer Zweifel an den Kosten für den durch Harvester und Forwarder verursachten Schäden hat, möge sich ein Angebot zur Bodenmelioration nach Harvester- und Forwarder-Einsatz sowie ein Gutachten zu den Rückeschäden an Wurzeln, Boden, Naturverjüngung und Bäumen erstellen lassen. Die nahe liegende, für alle Parteien akzeptable Lösung besteht nicht im Ausschluss, sondern in einer pfiffigen Kombination von Kleinschleppern, Rückepferden und Harvestern/Forwardern. Seit Jahren geht die Stadt Köln diesen intelligenten Weg - leicht zu recherchieren unter dem Stichwort "Kölner Verfahren".

Erich Birner, Altleiningen in Rheinland-Pfalz (Waldbesitzer und Jagdpächter)

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