Leserbriefe So "motiviert man niemanden"

Zum Kommentar "Plötzlich Vorsitzende" in der Amberger Zeitung vom 17./18. Januar:

Vereine, Verbände, Parteien führen seit Jahren dieselbe Klage: Immer weniger Menschen sind bereit, sich in ihrer Freizeit für die Allgemeinheit einzusetzen, sei es als Trainer oder Betreuer in der Jugend- und Sozialarbeit oder als Stadt- bzw. Gemeinderatsmitglied in der Kommunalpolitik.

Es ist gewiss nicht das große Geld, das diese Menschen lockt - die allermeisten arbeiten ehrenamtlich -, sondern die Freude und das Bedürfnis, Verantwortung zu übernehmen, trotz der zum Teil großen zeitlichen Belastung, die diese Tätigkeiten mit sich bringen.

Auch und gerade das Engagement in einem Kommunalparlament erfordert einen zeitlichen Aufwand, den man neben dem Beruf nur eine gewisse Zeit aufbringen kann. Deshalb ist es nur zu verständlich, dass Florian Fuchs sein Amt als SPD-Fraktionsvorsitzender nach vielen Jahren im Stadtrat von Amberg aufgeben möchte, um mehr Zeit für Beruf und Familie zu haben. Die Gründe, warum andere SPD-Mitglieder, die seit Jahren im Stadtrat tätig sind, nicht für die Nachfolge zur Verfügung stehen, sind ebenfalls nachzuvollziehen beziehungsweise zu respektieren.

Umso erfreulicher ist es, dass sich aus dem Kreis der neu in den Stadtrat Gewählten Birgit Fruth bereiterklärt hat, den verantwortungsvollen und arbeitsintensiven Posten des Fraktionsvorsitzes zu übernehmen. Sie hat dies gewiss nicht leichtfertig und in Unkenntnis der Aufgabe, die hierbei auf sie zukommt, gemacht. Ich kenne Frau Fruth persönlich nicht; aber allein die Tatsache, dass sie den Willen, das Selbstvertrauen und - ja - auch den Mut aufbringt, sich in dieses Amt einzuarbeiten, sollte uns Respekt abnötigen. Umso ärgerlicher finde ich es, wenn der kommentierende Redakteur nicht ohne Häme feststellt, dass von all den bekannteren Namen auf der SPD-Stadtratsliste "nur die Neuen blieben", unter anderem auch "eine gewisse Birgit Fruth".

Jedem Neuling in einem Fachgebiet gewährt man wohlwollend eine Einarbeitungszeit, bei Politikern sind es 100 Tage. Warum will man vonseiten der AZ Frau Fruth diese Frist nicht einräumen, nur weil ihr Name noch nicht so bekannt ist? Mit Kommentaren wie diesen motiviert man jedenfalls niemanden, ein politisches Amt zu übernehmen.

Freya Zobel, Kümmersbruck

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