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Beim Dreh des "Wolfsland"-Krimis

Von links: Johannes Zirner, der Violas Ehemann, den Psychiater Björn Delbrück spielt, Yvonne Catterfeld (Viola Delbrück) und Götz Schubert (Burkhard "Butsch" Schulz). Bild: Helmut Kunz

"Wolfsland" ist die Geschichte zweier Kommissare auf der Flucht vor inneren Dämonen und äußeren Gegnern. In Görlitz arbeiten die zwei TV-Ermittler wie Hund und Katz' zusammen.

Görlitz. Burkhard "Butsch" Schulz heißt die Hauptfigur des neuen ARD-Donnerstagskrimis "Wolfsland - Tief im Wald". Und dieses "Wolfsland" ist angesiedelt im äußersten Osten der Republik, in der Gegend rund um Görlitz.

Im Arbeiter- und Bauernstaat begann "Butsch" Agrarwissenschaften zu studieren. Nach der Wende ging er zur Kripo Görlitz, wo er mittlerweile zum leitenden Hauptkommissar aufgestiegen ist. Er ist Ende 40, hat Familie, lebt aber allein. "Butsch" wird von Götz Schubert gespielt, der im ZDF-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" einen Oberfeldarzt der Wehrmacht mimte.

Ungleiches Paar


Seine Kollegin ist die bildhübsche Viola Delbrück, gespielt von Yvonne Catterfeld. Anfang 30, mit einem narzisstischen, eifersüchtigen Psychiater verheiratet, getrennt lebend, kinderlos. Die beste Absolventin der Hamburger Polizeiakademie, eine blitzgescheite Frau, will in der Stadt an der polnischen Grenze ein neues Leben beginnen. Ein ungleiches Paar: Der eigenbrötlerischer Haudegen und die moderne Kriminalistin.

Der Eigenbrödler wohnt in einer chaotisch anmutenden Drei-Zimmer-Wohnung. "Butsch", der Stinkstiefel, ein misstrauischer, sarkastischer, getriebener Mann, der weiß, dass die Welt mies zu ihm ist, weil er mies zu ihr ist. Sie denkt schnell, zieht meist die richtigen Schlüsse und hat deshalb eine hervorragende Aufklärungsquote. Er flieht vor Veränderung, bewegt sich keinen Millimeter von der Stelle. Ein Alptraumpaar. Das restliche Team im Präsidium um die beiden beschreibt Sven Poser, einer der beiden Drehbuchautoren, als Resonanzkörper für die Helden Dutsch und Viola.

Mit "Hubert & Staller" oder einem "Tatort" habe "Wolfsland" nichts gemein. "Wir haben schon eine ganz eigene Farbe." Der "Tatort" sei ein reiner Krimi. "Und davon wollen wir uns abheben und nicht nur vom Sendeplatz am Sonntagabend her." In "Wolfsland" richte sich der Fokus allein auf die beiden Hauptfiguren, "und wie die sich entwickeln."

Eine weitere Hauptrolle spielt die Stadt Görlitz, mit ihren Winkeln und ihrer alten Bausubstanz. Für Filmemacher eine "wunderbare Stadt" mit "tollen Bildern und Kulissen." Weil Polen nur einen Steinwurf weit weg sei, werde Görlitz auch vom östlichen Nachbarland aus betrachtet. Der Stoff ist grenzüberschreitend.

Die Unterstützung durch die Stadt sei toll, heißt es von Seiten der Filmemacher. Für Oberbürgermeister Siegfried Deinege keine Frage. Schließlich sei die Krimiserie die beste Werbung für seine Stadt, die bislang nicht als lebendige Kommune, sondern lediglich als pittoreske Kulisse eine filmische Rolle gespielt hat. "Görliwood" - das sei ein Hauptgewinn.

An die Grenze gebracht


In Görlitz wurde am 28. April bereits die zweite Episode abgedreht. Ihr zweiter Fall bringt die Kommissare psychisch wie physisch an ihre Grenzen. Sie haben es vermutlich mit einem Serienmörder zu tun, der junge Frauen nach immer gleichem Muster auf qualvolle Weise tötet. Zugleich drängt Viola Delbrücks Ehemann bedrohlich in ihr neues Leben und "Butsch" muss mit seiner Rolle als Vater einer Heranwachsenden klar kommen.

Wir hatten am vorletzten Drehtag Gelegenheit, mit den Hauptdarstellern und den Autoren zu plaudern. Ging es im ersten Teil noch um das gegenseitige Abtasten - Catterfeld: "Im ersten Film geht's immer erst ums Kennenlernen" - finden die Protagonisten den zweiten Teil noch viel prickelnder.

Wie Sönke Lars Neuwöhner, einer der beiden Drehbuchautoren erläutert, endete Teil eins mit einem Bruch zwischen den beiden Kommissaren. In der Fortsetzung verlange das jetzt einen Neuanfang. "Wir müssen die Sprachlosigkeit überwinden." Catterfeld sagt dazu: "Zwischen uns beiden bleibt der hohe Spannungswert bestehen." Neuwöhner verspricht: "Wir dringen weiter in die Psyche der Protagonisten vor." Der Film stelle treffend dar, wie ein Team funktioniere, ohne dass die Kommunikation stimme.

Ausgestrahlt wird "Wolfsland" voraussichtlich im Winter 2016.
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