Meister des Weichzeichners
Fotograf Hamilton ist tot

Jung und unschuldig: Aktfotos junger Mädchen waren sein Ruhm - und sein Niedergang. Nun ist David Hamilton, der Meister der Weichzeichner-Fotografie, tot. Französische Medien berichten, er habe sich umgebracht.

Paris. Es sind solche Bilder, die den britischen Fotografen David Hamilton weltberühmt machten: Ein junges Mädchen lehnt sich gegen einen Fels. Um die Hüften ein Gazetuch, das die Schamhaare nur knapp bedeckt. Das offene Haar fällt zwischen die Brüste. Motiv und Pose erinnern an das Gemälde "Odysseus und Kalypso" des Schweizer Symbolisten Arnold Böcklin.

Zeit seines Schaffens spielte Hamilton mit dem Lolita-Effekt, ahmte in seinen erotischen Fotos berühmte Kunstwerke nach. Sein Markenzeichen: der Weichzeichner-Effekt. Doch spätestens seit den 1990er-Jahren begleitete ihn der Vorwurf der Pornografie. Nun verfolgen ihn noch schlimmere Vorwürfe ins Grab: Mehrere ehemalige Mädchenmodels warfen ihm sexuellen Missbrauch vor.

Umstände unklar


Hamilton starb am Freitagabend im Alter von 83 Jahren in Paris. Die Umstände seines Todes sind bislang ungeklärt. Französische Medien berichteten von einer Selbsttötung, die ermittelnden Behörden schwiegen dazu. Tage zuvor waren die Missbrauchsvorwürfe laut geworden.

Mit den Fotos pubertierender Halbwüchsiger startete er in den 1960er und 1970er Jahren seine Weltkarriere. Seine Motive: vorzugsweise Skandinavierinnen und Deutsche zwischen 12 und 16 Jahren. Auch Jahrzehnte später blieb er seiner Linie treu. Mittlerweile werden solche Bilder jedoch von nicht wenigen Kritikern als "Kinderpornografie" geächtet.

Hamiltons Kunst war stark von der Malerei inspiriert, nicht nur, weil er früher eine Karriere als Maler ins Auge gefasst hatte. Viele seiner Bilder gehen auf Motive bedeutender Maler zurück. Seine Vorliebe für das Ballett erinnert an Edgar Degas, den seine kleinen Spitzentänzerinnen berühmt gemacht haben, und sein nebelhaftes Ambiente an die Stimmung impressionistischer Bilder.

Die Schönheit und Erotik seiner jungen Mädchen verkauften sich millionenfach als Alben und Poster. Erst 1976 ließ er sich zu einem Film überzeugen, der die Stimmung seiner Bilder einfangen sollte. "Bilitis" wurde ein Erfolg, nicht zuletzt wegen seiner sentimentalen Musik. Auch sein Film "Zärtliche Cousinen" mit Anja Schüte in der Hauptrolle ließ die Kinokassen klingen.

Zunehmende Kritik


Anfang der 90er Jahre gerieten Hamiltons Aktbilder immer häufiger ins Kreuzfeuer der Kritik. Vor allem aus den USA und aus Großbritannien wurden Vorwürfe der Softpornografie und der latenten Pädophilie laut. Der Verkauf seiner Bücher wurde teilweise für Minderjährige verboten, es gab sogar Protestmärsche gegen seine Werke.

In der vergangenen Woche hatte die französische TV-Moderatorin Flavie Flament Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs laut werden lassen: Sie sei 1987 im Alter von 13 Jahren von Hamilton vergewaltigt worden. Daraufhin meldeten sich zwei weitere Frauen als mutmaßliche Opfer. Hamilton wies die Vorwürfe umgehend zurück.
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