Melken, so lange die Bank das will

Mit dem Wegfall der Milchquotenregelung hatte sich unsere Zeitung unter der Überschrift "Politiker ohne Lösungsansatz" beschäftigt. Dazu meint der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, Kreisteam Neustadt an der Waldnaab:

Schon alleine die Überschrift lässt einmal mehr erkennen - von der Politik gibt's "Im Westen nichts Neues!" Wenngleich unsere Abgeordneten sehr wohl konkrete Lösungen auf ihren Schreibtischen liegen haben, sind sie doch nicht gewillt, dieses Problem konkret anzupacken. Stattdessen fordern sie lieber "Schweigegeld" für die Bauern, welches jedoch auch wieder so verwendet werden soll, dass es sich kurzfristig medial gut als "Hilfe für die Bauern" verkaufen lässt, das Problem jedoch nicht löst - sondern es sogar noch verlängert.

Was passiert denn mit der Butter und dem Milchpulver, welches in die Intervention geht? Wenn sich die Marktlage etwas entspannt, wird es wieder auf den Markt geworfen und setzt diesen noch länger unter Druck! Außerdem ist die geforderte Erhöhung des Interventionspreises für Milch schon alleine aus haushaltspolitischen Gesichtspunkten unbezahlbar! Und warum ist diese Situation so? Weil die Lobbyisten der Molkerei- und Ernährungsindustrie eben dieses System, welches sie sich übe Jahre zurechtgelegt haben, nicht ändern wollen und massiv Einfluss auf die Politik nehmen.

Zu der Aussage, in der Schweiz hätten sich die Landwirte wieder gefangen, kann ich nur sagen, dass dies nicht der Realität entspricht. Viele Betriebe sind hier schon und werden auch in Zukunft noch aus der Produktion aussteigen. Das geht soweit, dass sich heute schon die Verarbeiter Sorgen um ihren billigen Rohstoff machen.

Auch die Groß-und-Klein-Diskussion wird meines Erachtens völlig falsch geführt. Die kleineren Betriebe, die nicht mehr investiert haben, kommen mit einem schlechteren Milchpreis leichter über dir Runden als die, die auf Anraten der "Betriebsberater" für die Zukunft teure Ställe gebaut haben. Dennoch werden wohl eher die kleineren aufhören, weil es eben keinen Spaß macht, für seine Arbeit nicht gerecht entlohnt zu werden. Die mit großen, neuen Ställen gut aufgestellten "Zukunftsbetriebe" werden melken, solange die Bank das will.

Zur Quotenregelung - sie hat funktioniert. Anfang der 80er Jahre hatten wir Butterberge und Milchseen (Intervention!), welche dem Steuerzahler Milliarden gekostet haben. Mit der Quotenregelung wurden diese Überschüsse abgebaut, um dann gleich wieder an verschiedenen Rädchen zu drehen (über 130 Änderungsverordnungen!) , damit ja immer "ein bisschen" zu viel Milch am Markt ist und der Rohstoff damit für die Molkereien günstig bleibt.

Aber der Milchmarkt hat sich über 30 Jahre verändert - er ist internationaler, ja er ist globaler geworden. Und an diese Veränderungen muss das System angepasst werden. Der BDM hat ein Konzept, wie der Milchmarkt nach der Quote im Interesse aller gestaltet werden kann. Und ich lade alle Bäuerinnen, Bauern, Verbands- und Molkereivertreter aber auch interessierte Verbraucher ein, dieses sachlich zu überdenken und mit uns zu diskutieren in der Verantwortung für unsere Höfe, für unsere Kinder und letztlich für die ganze Gesellschaft. Denn stirbt der Bauer, dann stirbt das Land.

Werner Reinl, 92685 Floß
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