Milcherzeuger fordern Regelung des Marktes
Stirbt der Bauer, stirbt das Land

Zu unserer Berichterstattung über das Thema Milchpreis:

Als direkt von der Krise betroffener Milchbauer bin ich sehr froh, dass das Thema "Milch" wieder vermehrt in der Tagespresse thematisiert wird. Jedoch scheint mir, dass der nicht betroffene Leser durch die vielen oft unterschiedlichen Artikel verwirrt wird. Hierzu möchte ich versuchen, einiges klarer zu machen.

Mit der Aussage "Wir brauchen den Verbraucher" wird suggeriert, dass der Verbraucher als Retter in der Not der Bauern auftreten solle, und wird vom eigentlichen Problem, der Überproduktion, abgelenkt. Grundsätzlich hat es zwar sehr wohl Sinn, dass sich der Verbraucher überlegt, welches Produkt er kauft; bei der Bewältigung der jetzigen Krise ist jedoch die Politik in der Pflicht. Nur sie kann durch richtige Maßnahmen die Krise effektiv und schnell bekämpfen.

Die Protestaktionen des BDM richten sich daher nicht an die Verbraucher, sondern ausschließlich gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung, welche durch die Abschaffung jeglicher Mengenbegrenzung das Problem der Überproduktion bewusst in Kauf genommen hat und sogar als Chance für die deutsche Exportwirtschaft propagiert hat.

Angetrieben wurde diese Entscheidung auch von der Milchindustrie und dem Deutschen Bauernverband, die allesamt vom Absatz der Mehrproduktion überzeugt waren. Die mahnenden Worte des BDM wurden dabei stets belächelt und ignoriert. In welche Richtung sich der Markt entwickelt hat, sieht man am jetzigen Milchpreis, der derzeit schon unter 30 Cent ist und laut Prognosen noch nicht einmal am Tiefpunkt angelangt ist. Die finanziellen Einbußen tragen alleine die Milchbauern.

Nur Maßnahmen, die in Krisenzeiten europaweit mengenbegrenzend wirken, sind zielführend. Alles andere bekämpft nicht das Problem an der Wurzel und ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Mir ist klar, dass Agrarminister Christian Schmidt nicht bereit ist, neue Marktinstrumente, die die Menge beeinflussen, zu installieren. Damit würde er den Fehler in der Agrarpolitik eingestehen, die Quote ohne jegliches optimiertes Nachfolgeinstrument zur Angebotsregelung in Krisenzeiten auslaufen zu lassen. Fehler zu machen, ist menschlich, sie jedoch zu ignorieren, ist grob fahrlässig und für uns Milchbauern existenzbedrohend! Solche Minister brauchen wir nicht!

Die Strategie des BDM sieht vor, die Milch, die zu viel ist, gar nicht erst zu produzieren. Dies ist meiner Meinung nach nachhaltig und ressourcenschonend. Im Gegensatz dazu verfolgt der Bauernverband die Strategie, die überschüssige Milch durch Steuergelder finanziert in Länder außerhalb des europäischen Binnenmarkts zu exportieren, wo dadurch landwirtschaftliche Strukturen in diesen Ländern zerstört werden. Solche Maßnahmen werden als "Eroberung des Weltmarkts" und damit als Lösung der Krise angepriesen.

Der BDM fordert also von der Politik kein Geld, sondern Regelungen am Markt, die einen kostendeckenden Milchpreis ermöglichen. Vollkommen freie Märkte führen zu einem Land frei von Bauern. Stirbt der Bauer, stirbt das Land!

Matthias Irlbacher, 92543 Guteneck

Milchquote wurde missbraucht

Die Milchquote war nicht falsch, sie wurde nur konsequent missbraucht! Der aktuelle Verfall der Erzeugermilchpreise ist dem Überangebot einerseits und dem Nachfrage-Oligopol andererseits geschuldet. Gemäß dem Marktgesetz: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.

Die (abgeschaffte) Milchquote wurde damals zur Stabilisierung der Märkte und Preise eingeführt. Leider wurde sie von den Regierenden so eingestellt, dass die erzeugten Mengen immer zwei bis drei Prozent über dem tatsächlichen Bedarf lagen.

Die Erzeuger waren stets bestrebt, dieses Lieferrecht, im Sinne einer Einnahmenmaximierung, bestmöglich auszunutzen. Über-Lieferungen wurden mit einer mal mehr, mal weniger hohen Superabgabe geahndet. Trotzdem haben "notorische" Über-Lieferer jedes Jahr mit der Superabgabe gepokert - meistens hat es sich für sie gerechnet, beim letzten Mal nicht so sehr.

Zur Erinnerung: Die durch den Milchlieferstopp fehlenden rund drei Prozent der Jahresmenge haben umgehend zu einer Preisanpassung in gleicher Höhe geführt. Allen, die damals nicht mitgemacht haben, weil sie mit dem Geld zum Beispiel ihren Stallneubau abzahlen müssen, muss Folgendes klar sein: Das Angebot an Milchprodukten war damals in den (Groß-)Märkten extrem ausgedünnt, die Regale waren teilweise komplett leer.

Mit etwas mehr Solidarität untereinander hätten die Milcherzeuger dem Handel zeigen können, wer hier am längeren Hebel sitzt! Diese Chance haben diese Egoisten vertan, und sie kommt nicht wieder. Lieber hängen sie weiter dem Credo des Bauernverbandes nach staatlichen Hilfen nach.

Diese "Hilfen" schaffen nur wieder weitere Abhängigkeiten, lösen keine Probleme und sind dem Verbraucher auch schwer verständlich zu machen. Eine im Sinne der Erzeuger angewandte Milchmengensteuerung wäre die Lösung, auch für das Problem der Überschüsse an den Märkten und den damit verbundenen Preisdruck durch den Handel.

Hermann Hagn,95469 Speichersdorf
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.