Mindestens 26 Menschen sterben bei Zusammenstoß [Aktualisiert]
Schweres Zugunglück in Süditalien

 

Rom. Mindestens 26 Menschen sind bei einem frontalen Zusammenstoß zweier Züge in Süditalien ums Leben gekommen. Mindestens vier schwebten in Lebensgefahr, sagte der Vizepräsident der betroffenen Provinz. Dutzende weitere wurden bei einem der schwersten Zugunglücke in dem Land verletzt, darunter ein Kleinkind, das lebend aus den Trümmern geborgen wurde.

Die Regionalzüge waren am Vormittag nördlich der süditalienischen Stadt Bari auf einer eingleisigen Strecke zwischen Corato und Andria zusammengestoßen. Der Unfall erinnert an das Zugunglück im bayerischen Bad Aibling, bei dem im Februar zwölf Menschen gestorben waren. Auf der eingleisigen Strecke zwischen Rosenheim und Holzkirchen waren zwei Nahverkehrszüge frontal ineinandergerast.

Auf Bildern aus Italien war zu sehen, wie die beiden Züge auf offener Strecke vollkommen verkeilt und einige Waggons total zerstört sind. «Es gibt viele Tote», sagte der Chef der Einsatzkräfte, Riccardo Zingaro. Medien berichteten, dass zahlreiche Menschen lange in den Trümmern gefangen waren. Der Unfallort zwischen Bäumen und am Rande eines Ackers sei nicht leicht zu erreichen.

Unbestätigten Berichten zufolge waren viele Studenten und Pendler in dem Regionalzug, der von dem privaten Unternehmen Ferrotramviaria betrieben wird. Beide Zügen hatten vier Waggons, von denen jeweils mindestens zwei schwer beschädigt wurden.

Was zu dem Unglück geführt hatte, musste noch ermittelt werden. Menschliches Versagen wurde nicht ausgeschlossen. Zum Zeitpunkt des Unglücks gegen 11.30 Uhr herrschte gutes Wetter.

Der italienische Regierungschef Matteo Renzi verlangte eine schnelle Aufklärung und sprach den Opfern und deren Familien sein Mitgefühl aus. Er kündigte einen Besuch am Unglücksort an.

Bundestagspräsident Norbert Lammert kondolierte seiner italienischen Amtskollegin. «Unsere Gedanken sind bei den Familien der Verunglückten, bei den vielen Verletzten und bei den Rettungskräften, die sich unermüdlich im Einsatz befinden, um Menschenleben zu retten», hieß es in der Mitteilung.


Schwere Eisenbahnunglücke
Bahnfahren gilt als relativ sicher, schwere Unfälle wie jetzt in Oberbayern sind vergleichsweise selten. Beispiele:

9. Februar 2016: Bei einem Zugunglück sind in Bad Aibling (Oberbayern) zehn Menschen ums Leben gekommen. Rund 80 wurden verletzt.

6. November 2015: Am Bahnübergang in Freihung in der Oberpfalz kommen zwei Menschen ums Leben, vier werden verletzt. Ein Lkw, der einenMilitär-Lastwagen auf dem Tieflader transportierte, war an demBahnübergang hängengeblieben und von dem Zug gerammt worden.

August 2014: In Mannheim rammt ein Güterzug einen Eurocity mit 250 Passagieren - zwei Waggons stürzen um, 35 Menschen werden verletzt. Der Lokführer des Güterzugs hatte ein Haltesignal übersehen.

September 2012: Ein Intercity entgleist beim Verlassen des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Acht Menschen werden verletzt. Bereits im Juli war an gleicher Stelle ein IC aus den Gleisen gesprungen. Ursache waren jeweils defekte Puffer an den Waggons.

April 2012: Eine Regionalbahn stößt bei Offenbach (Hessen) mit einem Baukran-Zug zusammen. Drei Menschen werden getötet, 13 verletzt.

Januar 2012: Ein Regionalzug rast in Nordfriesland in eine Rinderherde und kippt um. Ein Fahrgast kommt ums Leben.

September 2011: Geröll stürzt bei heftigen Regenfällen ins Gleis und lässt einen Intercity mit etwa 800 Menschen an Bord bei St. Goar im Rheintal entgleisen. 15 Menschen werden verletzt.

Januar 2011: Zehn Menschen sterben, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstößt. Ein Lokführer hatte zwei Haltesignale überfahren.

Oktober 2009: Bei einer Feier zum 125-jährigen Bestehen der historischen Lößnitzgrundbahn in Sachsen stoßen zwei der historischen Züge zusammen. 52 Menschen werden verletzt, 4 von ihnen schwer.

April 2008: Ein ICE rast südlich von Fulda (Hessen) in eine Schafherde und entgleist teilweise - 73 Verletzte.

Juni 2003: Bei Schrozberg in Baden-Württemberg stoßen zwei Regionalzüge zusammen. Sechs Menschen sterben.

22. Juni 2001: Ein schwarzer Tag für den bayerischen Schienenverkehr.
Bei zwei Unglücken an Bahnübergängen sterben 7 Menschen, mindestens
44 werden verletzt. In der Nähe von Vilseck-Gressenwöhr in der Oberpfalz rast ein Regionalzug in einen Lastwagen der US-Armee. Der Lokführer, der Lkw-Fahrer und ein Zugfahrgast sterben.Elf Stunden später rammt ein Regionalzug an der Strecke Donauwörth-Dillingen in Schwaben ein Auto. Ein Ehepaar und zwei Kinder in dem Wagen sterben.

Februar 2000: In einer Baustelle des Bahnhofs Brühl bei Köln entgleist der Nachtexpress von Amsterdam nach Basel an einer Weiche. Bilanz: 9 Tote, 149 Verletzte.

Juni 1998: Nach dem Bruch eines Radreifens prallen im niedersächsischen Eschede mehrere Waggons eines ICE bei Tempo 200 gegen eine Straßenbrücke. 101 Menschen sterben.

Rosenmontag 1969: Interzonenzug rast in Weiden in Tankwagen
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