Mindestens zwölf Pottwale verenden an Nordseeküste
Trauriges Ende für Giganten

Die Wale haben sich schlicht und ergreifend verschwommen.

Die Nordsee ist in den vergangenen Tagen zum Walfriedhof geworden. Mindestens zwölf Pottwal-Bullen verendeten, sechs von ihnen an deutschen Küsten. Laut Experten ein nicht so seltenes Phänomen.

Wangerooge. Am Ostzipfel der Nordseeinsel Wangerooge verrichten die Kettenbagger eine ungewöhnliche Arbeit. Sie ziehen die tonnenschweren Kadaver der beiden vor rund einer Woche angeschwemmten Pottwale so gut es geht übers Watt und richten sie aus. "Mit der Schwanzflosse Richtung Meer", sagt Wangerooges Bürgermeister Dirk Lindner. Die toten Ozeanriesen werden auf ihre letzte Reise vorbereitet - sie sollen bei Hochwasser mit Schleppern über die Nordsee ans Festland nach Wilhelmshaven gebracht werden.

Insgesamt verendeten seit Freitag voriger Woche mindestens zwölf Wale in der Nordsee: zwei von ihnen vor Wangerooge, zwei vor Helgoland, einer vor Büsum und einer vor Bremerhaven. Mindestens sechs starben vor der niederländischen Insel Texel. Der schaurige, aber ehrfurchtgebietende Anblick der riesigen Tiere lockt Schaulustige und Medien an.

Bei Schottland abgebogen


Alle Experten sind sich einig, dass die Vorfälle nicht ungewöhnlich sind. "Die Wale haben sich schlicht und ergreifend verschwommen. Sie sind nicht südwestlich von Schottland vorbeigeschwommen, sondern in die Nordsee geraten", sagt Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack bei N24. Es sei zwar das erste Mal, dass so viele Wale in deutschen Gewässern gelandet seien. "Aber es ist kein Phänomen, das jetzt super-duper selten ist. Das passiert schon mal."

Beim Wangerooger Bürgermeister Lindner und auch bei der Pressestelle des Umweltministeriums in Niedersachsen klingeln seit dem vorigen Wochenende alle Telefone heiß. "Wir haben aufgehört zu zählen", sagt ein geduldiger Mitarbeiter auf die Frage, wie viele Anrufe es gegeben habe. Auch Lindner ist fast rund um die Uhr erreichbar und fast zum Walexperten geworden. Der Inselbürgermeister fuhr auch am Donnerstag zu der Fundstelle. Dort wurde beraten, wie die beiden Kadaver am besten weggezogen werden können. "Zufällig und zum Glück haben wir die zwei Kettenbagger auf der Insel", sagt Lindner. Die wurden kurzerhand zum Walschieben eingesetzt. "Wir haben die Kadaver dann mit einem schweren Anker fixiert, den wir eingegraben haben", erläuterte Lindner.

Die Bergungsarbeiten sind komplex und nicht ungefährlich. Wale sind Warmblüter, nach dem Tod zerfallen die Organe sehr schnell. Es entstehen Verwesungsgase, die Kadaver blähen sich auf. "Irgendwann platzen diese Wale." Dies sei ein Riesengestank und eine Riesensauerei, und könne auch für Menschen gefährlich werden", so Maack. Ein Wal soll später zurückkehren: Lindner setzt alles daran, um einen der "Jungs", wie er sagt, als Skelett wieder nach Wangerooge zu holen.
Die Wale haben sich schlicht und ergreifend verschwommen.Thilo Maack, Greenpeace
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