Missbrauchsopfer schreibt Brief an Peiniger
Zu milde Strafe für Sextäter?

Sexuelle Gewalt ist an US-Universitäten ein großes Problem. Ein Fall in Kalifornien macht jetzt Schlagzeilen: Das Opfer meldet sich in einem bewegenden Brief zu Wort.

Stanford. CNN-Journalistin Ashleigh Banfield las die 12 Seiten lange Erklärung der 23-jährigen Frau in ihrer Sendung "Legal View" vor. Darin beschreibt das Opfer seine körperlichen und seelischen Wunden, die Demütigung beim Kreuzverhör, ihre Ängste und Zusammenbrüche.

Der Fall von sexueller Gewalt auf dem Campus der Elite-Universität Stanford und der Prozess im kalifornischen Santa Clara sorgt in den USA für Aufregung. Mehr als 500 000 Menschen forderten bislang in einer Online-Petition die Amtsenthebung des zuständigen Richters Aaron Persky (54). Sein mildes Urteil: Sechs Monate Haft für den ehemaligen Stanford-Studenten und Schwimmsportler Brock Turner (20), der vor der Tat noch als Olympia-Hoffnung galt. Die Anklage hatte mindestens sechs Jahre Gefängnis gefordert.

Statistiken zufolge wird jede fünfte Studentin an US-Hochschulen während ihrer Studienzeit Opfer sexueller Gewalt. Kalifornien ist der erste US-Staat, in dem eine ausdrückliche Zustimmung für eine sexuelle Begegnung zwischen Studenten erforderlich ist. Turner und sein Opfer hatten sich in der Tatnacht im Januar 2015 auf einer Verbindungsparty kennengelernt - und viel Alkohol getrunken. Sie habe sich an nichts mehr erinnern können, als sie auf einer Trage in einem Krankenhaus aufwachte, erklärt die Frau. Man habe ihr gesagt, sie sei bewusstlos und halb nackt hinter Mülltonnen auf dem Campus gefunden worden. Turner wird auch nach Absitzen der Haftstrafe lebenslang als Sex-Täter geführt. Von der Uni und dem Schwimm-Team ist er schon ausgeschlossen worden. Für seine Freunde und Angehörige ist das schon Strafe genug. Eine Haftstrafe sei "ein hoher Preis für eine 20-Minuten-Aktion", schrieb der Vater an das Gericht. Der Richter sah das anscheinend ähnlich.

"Die machen sich mehr Sorgen um die Auswirkungen für den Täter als um die Folgen für das Opfer", empört sich Sofie Karasek (22) von der Hilfsorganisation "End Rape on Campus". Das Opfer beschrieb die Folgen in dem Brief an den Täter: "Dein Schaden ist greifbar; Auszeichnungen, Abschlüsse und Studium sind weg. Mein Schaden ist innerlich, unsichtbar, ich trage das mit mir herum."

Die machen sich mehr Sorgen um die Auswirkungen für den Täter als um die Folgen für das Opfer.Opfer-Vertreterin Sofie Karasek
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