"Mit Einschätzung zur Legasthenie meilenweit daneben"

Noch ein Leserbrief zum Thema Legasthenie:

Herr Bornholdt, Sie sprechen in Ihrem Leserbrief in der Amberger Zeitung viele Probleme an, die uns Eltern von schulpflichtigen Kindern auf den Nägeln brennen.Wir stimmen mit Ihnen überein, dass eine Verwaltung von Missständen im Bildungssystem niemanden weiterbringt. Sie greifen sich allerdings - als Negativbeispiel - für mangelnde Bereitschaft im Elternhaus Erziehungsarbeit zu leisten, die Legastheniker heraus. Damit bescheinigen Sie sich leider große Unwissenheit zu diesem Thema.

Es wird kaum eine Kindergruppierung geben, die vom Elternhaus so viel Zeit und Unterstützung erhält wie die Legastheniker. Die Eltern akzeptieren und organisieren zahlreiche Termine bei Therapeuten und Behörden, führen oft monatelange Papierkriege wegen Therapiegenehmigungen, bauen die Kinder nach schulischen Rückschlägen wieder auf und motivieren sich selbst und die Kinder immer wieder nicht den Mut zu verlieren und weiter zu machen. Das kostet Zeit und Kraft.

Trotzdem wollen wir Ihnen noch etwas Erhellung zukommen lassen: Über 90 Prozent der Legastheniker sind normal bis überdurchschnittlich intelligent, wie die geforderten gutachterlichen Stellungnahmen zeigen. Bei entsprechender frühzeitiger Förderung, stehen diese Menschen später sehr erfolgreich im Arbeitsleben und erwirtschaften somit eine Menge Steuern, was nicht zuletzt auch den Pensionären zugute kommt.

Angesichts der demografischen Entwicklung hierzulande können wir es uns nicht leisten, wertvolle, zukünftige Ressourcen für den Arbeitsmarkt auszugrenzen, zumal laut Daten der IHK 25 Prozent der Schulabgänger derzeit nicht dafür geeignet sind. Ihr Leserbrief trifft in einigen Punkten den Nagel auf den Kopf, auch wenn Ihre Dramaturgie nicht jedermanns Sache ist. Aber in Ihrer Einschätzung bezüglich der Legastheniker und ihrem sozialen Umfeld liegen Sie meilenweit daneben. Auch im fortgeschrittenen Alter würde es Ihnen nicht schaden, sich erweiterte Kenntnisse auf dem Gebiet der Legasthenie anzueignen.

Danach wäre es sicherlich nicht uninteressant - gewappnet mit neuem Wissen - von Ihnen weitere Zeilen zum Thema "Legastheniker in unserem Bildungssystem" in der Amberger Zeitung zu finden.

Eigentlich wären Sie dies den Legasthenikern und Ihren Familien schuldig.

Familie Dittrich, Amberg,Irmi Schipke, PoppenrichtFamilie Lutter, IllschwangUlrike Breuer, UrsensollenFamilie Sobiella, Amberg
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2014 (9279)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.