Mit leisen Tönen zum Erfolg

Was soll ich nur auf der Betriebsfeier sagen? Und wieso hört mir im Meeting keiner zu? Das sind nur zwei der Situationen, die für Introvertierte nicht leicht zu meistern sind. Um vom Chef trotzdem bemerkt zu werden, helfen die richtigen Strategien.

(dpa/tmn) Introvertierte Menschen fallen vor allem durch eines auf: ihre Zurückhaltung. Während sich die extrovertierten Kollegen in Meetings wortreich in den Vordergrund stellen, sind sie für die leisen Töne bekannt. Über die berufliche Qualifikation muss diese Charaktereigenschaft nichts aussagen. Dennoch laufen introvertierte Menschen schnell Gefahr, vom Chef übersehen zu werden. "In unserer Welt haben es extrovertierte Menschen leichter", sagt Coach Natalie Schnack. So überzeugen Introvertierte ihr Umfeld von ihren Qualitäten:

Das Meeting: Introvertierte Menschen überlegen in der Regel gut, bevor sie etwas sagen. In Meetings mit ausdrucksstarken Kollegen und Vorgesetzten kann das dazu führen, dass sie nie zu Wort kommen. Immer reden die gleichen Leute und werfen sich gegenseitig die Bälle zu. "Die introvertierten Menschen bekommen dann schnell das Gefühl, dass ihre Meinung nicht gefragt ist und sie regelrecht dafür kämpfen müssen, Gehör zu finden", sagt Schnack. Weil das anstrengend ist, schweigen sie lieber.

Dieser Teufelskreis lässt sich aber durchbrechen. Schritt 1: Begreifen, dass die eigene Meinung gefragt ist, die Kollegen nur nicht gewohnt sind, sie zu hören. Schritt 2: Sich fest vornehmen, etwas zu sagen. "Bereiten Sie sich gezielt auf das Meeting vor, machen Sie sich Notizen", empfiehlt Schnack. Wer sich nicht zutraut, vor versammelter Mannschaft das Wort zu ergreifen, kann seine Ideen vor dem Meeting schriftlich an den Chef weiterreichen. Dann kann der während des Meetings darauf verweisen.

Die Betriebsfeier: Ob Weihnachtsfeier oder Firmenjubiläum - für zurückhaltende Menschen können diese Massenveranstaltungen ein anstrengender Pflichttermin sein. Small-Talk ist ihnen ein Gräuel, Netzwerken eine echte Herausforderung. Während andere Kontakte knüpfen, stehen sie still in der Ecke und nippen an ihrem Getränk. Einfach wegbleiben ist keine Option, denn die Präsenz zeigt die Verbundenheit zur Firma.

Anne Heintze, Coach zum Thema, empfiehlt Introvertierten, sich einen Verbündeten zu suchen. "Verabreden Sie sich mit einem Kollegen vor Ort oder fahren Sie bereits gemeinsam hin." Sinnvoll sei auch, sich im Vorfeld zu überlegen, mit wem und worüber man sprechen kann. Gibt es gemeinsame Themen mit Kollegen, etwa Hobbys oder Interessen? "Man muss ja auch nicht zwingend Small-Talk machen, sondern kann sich über Unternehmensthemen austauschen", sagt Heintze.

Chef-Gespräch:Wenn der Chef zum Gespräch lädt, ist das erstmal mit tausend Fragen verbunden. Extrovertierte Menschen kommen damit häufig ganz gut klar, denn sie vertrauen auf ihre Fähigkeit, stets die richtige Antwort parat zu haben. Introvertierte Menschen sind aber meistens nicht so spontan. "Sie würden am liebsten exakt wissen, was auf sie zukommt", sagt Schnack. Eine Möglichkeit für Intros ist dann, den Chef vorab um Informationen zu bitten, worum es geht. "Man signalisiert durch das Nachfragen auch, dass man sich optimal vorbereiten möchte. Das ist kein Nachteil!", erklärt Schnack.

Bei kurzfristig anberaumten Terminen, in denen keine Vorbereitung möglich ist, sei es wichtig, sich keinen inneren Druck aufzubauen. "Wenn der Chef Antworten fordert, die Sie noch nicht haben, können Sie um eine Bedenkzeit bitten."

Das Großraumbüro: Die Kollegin am Tisch links telefoniert schon wieder so laut, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Ständig laufen Menschen durch die Gänge. Für introvertierte Menschen ist der hohe Geräuschpegel in Großraumbüros eine echte Belastung. "Introvertierte reagieren schneller gestresst auf Außenreize als Extrovertierte", erklärt Felicitas Heyne, Psychologin und Buchautorin.

Sie empfiehlt leisen Gemütern, zu überprüfen, ob es am Arbeitsplatz Verbesserungsmöglichkeiten gibt: Existieren Rückzugsräume? Gibt es flexiblere Arbeitszeiten oder ein Einzelbüro, das stundenweise genutzt werden kann? Was ist mit der Möglichkeit, einen Tag im Home Office zu verbringen? Können große Pflanzen aufgestellt werden, die zumindest optisch eine Trennung bewirken? Sind Ohrstöpsel eine Lösung? Man sollte den Kollegen erklären, warum man diese Maßnahmen ergreift, damit die sich nicht vor den Kopf gestoßen fühlen.

Die Präsentation: Ideen haben sie genug. Vor dem Team oder einem größeren Publikum darüber zu berichten, ist aber nicht die Lieblingsaufgabe von introvertierten Menschen. "Da hilft nur üben, üben, üben!", sagt Heintze. "Das Grundproblem ist, dass introvertierte Menschen oft nicht das beste Selbstbild haben und ihr größter Kritiker sind."

Sie empfiehlt deshalb, eine Präsentation zu Hause vor dem Spiegel zu üben und sich Familie und Freunde als Zuhörer einzuladen. "Lassen Sie sich dabei mit dem Handy filmen", rät Heintze. "Wenn man sich selbst mal von außen sieht, merkt man, dass eigentlich alles ganz gut aussieht. Das macht souveräner." Wer bei Präsentationen Sorge hat, durch Nachfragen aus dem Konzept gebracht zu werden, kann vorbeugen: "Sagen Sie vor Ihrer Präsentation, dass Fragen im Anschluss geklärt werden. Dann haben Sie Ruhe."
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