Mitglieder der Gemeinschaft Sankt Georg halten Brauch der Nikolausbesuche seit Jahrzehnten hoch
Pfadfinder "spielen" Nikolaus

Eschenbach. (do) Nikolaus. Sehnsüchtig und doch mit gemischten Gefühlen warten die Kinder mit Mama, Papa und Geschwistern auf den Heiligen Mann. In Eschenbach ist er am 5. und 6. Dezember in geheimer Mission unterwegs. Mit schwerem Gepäck, das Knecht Ruprecht mitschleppt. Die zottelige Begleitung beeindruckt mächtig. In einen dicken Fellmantel gehüllt und rutenschwingend ist er der Gegenpart zum fürsorglichen und väterlichen Gehabe des Bischofs.

Es gibt sie noch, die Tradition und das Original. Zumindest in Bayern, in Eschenbach. "Mit den wamperten Weihnachtsmännern, wie sie in der Fernsehwerbung auftreten, wollen wir aber nichts zu tun haben", sagen die Mitglieder der Gemeinschaft Sankt Georg, die den Brauch der Nikolausbesuche in den Familien seit Jahrzehnten hoch halten. Am 5. und 6. Dezember schlüpfen sie in die bischöfliche Montur, die ausgedienten Messgewändern sehr ähnelt! Mit wallendem Bart, mit Bischofsmütze und Bischofsstab ausgestattet, geht es dann nach Voranmeldung zu den Familien, um eine ehrfürchtige Kinderschar schwer zu beeindrucken.

"Der Fundus kommt aus alten Kirchenbeständen", verrät schließlich Günther Dilling, einer der Heiligen, die am Nikolaustag und am Vorabend des Namenstages schwer in Einsatz sind. Die Einkleidung mit den "heiligen Gewändern" gehört zu den Aufgaben der Sankt-Georgs-Pfadfinder, die sich ebenfalls an den Nikolausbesuchen beteiligen. GSG-Vorsitzende Petra Danzer kann deshalb auf ein starkes Team bauen, zu dem auch der Fahrdienst gehört. Ein Pferde- oder Rentierschlitten als Transportmittel für die Himmelsbotschafter wäre zwar origineller, schwärmen die Protagonisten. Doch zur Not tue es auch eine Blechkarosse.

Schon Wochen vor dem großen Auftritt des Heiligen und seiner polternden Begleitung hat GSG-Vorsitzende Petra Danzer eine Menge Arbeit. Es gilt, die Einsätze zu koordinieren. Die Nachfrage nach dem sanften Gabenbringer sei groß, erzählt Petra Danzer. Die Wohltätermannschaft hat viel zu tun. Auch von Vereinen und für Betriebsfeiern sowie für Advents- und Weihnachtsmärkte wird sie angefordert.

Bei den Auftraggebern eingetroffen, soll es der Himmelsbote dann bei mahnenden Worten belassen. "Besonders die Eltern kleiner Kinder wünschen sich keine Schreckensperson", verraten die heiligen Männer aus Erfahrungen bei vielen Besuchsterminen. "Es genügt ja oft schon, wenn Vermummte vor den Kindern stehen und von ihren kleinen Macken berichten". Das Erfolgsrezept bestehe aus Loben und Ermunterungen. Auch eine vorsichtige Drohgebärde von Knecht Ruprecht mache Eindruck, erzählen die Akteure.

Beeindruckend sei heutzutage aber auch der Festtags- und Gabentisch. Viele Familien gönnen sich mit Freunden und Nachbarn nach dem Nikolausbesuch ein Festessen. Da staunt selbst der auf Abstinenz bedachte Heilige, während sein geschenkebepackter Begleiter einem Glas Hochprozentigen nicht abgeneigt zu sein scheint.
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