Mitschuld
Raser Vorfahrt genommen: Bei Unfall Haftungspflicht

Hamm. Wer einem viel zu schnell fahrenden Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt nimmt, muss bei einem Unfall für den Schaden mithaften. Das hat das Oberlandesgericht Hamm am Freitag mitgeteilt. Geklagt hatte die Krankenkasse eines Motorradfahrers, der in einer Tempo-50-Zone in Werl mit mindestens 121 Stundenkilometern unterwegs war. Dies hatte eine Autofahrerin falsch eingeschätzt, als sie auf die Vorfahrtsstraße einbog. Sie habe das heranrasende Fahrzeug erst beim Abbiegen bemerkt, gab sie an. Der Motorradfahrer wurde bei dem Zusammenstoß schwerverletzt. Das Landgericht hatte in erster Instanz die volle Schuld bei ihm gesehen. In der jetzt mitgeteilten Entscheidung vom 23. Februar sahen die Richter des Oberlandesgerichts jedoch auch die Autofahrerin in der Haftungspflicht.

Aufgrund der hohen Tempoüberschreitung muss der Motorradfahrer mit 70 Prozent den Hauptteil des Schadens übernehmen, für den Rest muss allerdings die Autofahrerin aufkommen. Hätte sie ausreichend Ausschau gehalten, hätte sie die hohe Geschwindigkeit des Motorradfahrers erkennen und stehen bleiben oder schneller anfahren müssen, meinten die Richter. In beiden Fällen sei ein Unfall vermeidbar gewesen.
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