Mode
Tweed: Klassisch und robust

Haute Couture: Zu dem robusten Tweed passt sehr gut eine leichte Bluse, zum Beispiel aus Seide. Bild: Chanel by Karl Lagerfeld
 
Modern kombinieren lässt sich der Tweed-Mantel zur Jeans. Bild: Otto

Um Tweed kommt man diesen Winter nur schwer herum: Viele Designer haben den Stoff in ihre Kollektionen aufgenommen. Wichtig ist aber, das robuste Tweed-Stück richtig zu kombinieren.

Frankfurt. Es gibt nur wenige modische Erscheinungen, die einen kompletten Wandel durchgemacht haben. Dazu gehört die Jeans als frühere Arbeitshose, und dazu gehört Tweed. "Ursprünglich war dieses Material nämlich für Landarbeiter entwickelt worden, weil es extrem strapazierfähig war", erklärt der Frankfurter Modeberater Andreas Rose. "Erst nach und nach entdeckte der britische Adel die Vorzüge dieses robusten Materials, zunächst als Jagdkleidung, und machte Tweed somit salonfähig." Diese Nutzung durch den Adel wirkt nach: "Bis heute assoziiert man den Stoff wohl deshalb auch immer noch ein wenig mit Landleben oder auch Pferdesport", sagt Trendspezialistin Inka-Müller Winkelmann aus Schildow (Brandenburg). Dass Tweed aber auch eine sehr elegante Seite haben kann, hat Coco Chanel bewiesen. "Ihr legendäres Tweedkostüm ist bis heute aus der Mode nicht wegzudenken", sagt Rose. Das liege nicht nur am klassischen Schnitt: "Bereits 1925 entwarf Coco Chanel das erste Kostüm aus diesem Material - bis dahin war es rein der Männermode vorbehalten."

Doch es sollte noch einige Jahre dauern, bis das Tweedkostüm mit der typischen Kastenjacke und dem leicht ausgestellten Rock, wie wir es heute noch kennen, von Coco Chanel gezeigt wurde: Das war nämlich 1954. "Das Revolutionäre daran war aber nicht nur der Stoff, sondern auch die Tatsache, dass dieses Kostüm den Frauen eine ganz neue Bewegungsfreiheit schenkte, weil Jacke und Rock bequem geschnitten waren", beschreibt Rose.

Generell versteht man unter Tweed ein Gewebe, das aus mehreren Fäden hergestellt wird. Charakteristisch dafür sind die kleinen Noppen. "Dass oft behauptet wird, der Begriff Tweed käme von dem gleichnamigen Fluss in Schottland, ist allerdings nicht ganz richtig", sagt Rose. "Vielmehr ist der Name abgeleitet vom schottischen Wort ,tweel' als Bezeichnung für eine Webart."

Gegensätze ziehen sich an


Schottland und Tweed sind untrennbar miteinander verbunden. Das liegt auch daran, dass ein sehr bekannter Stoff aus dieser Region kommt: der Harris-Tweed. Dieses Material wird auf den Äußeren Hebriden produziert, einer rauen Inselregion an der Westküste Schottlands. Die Kilts, die berühmten Röcke der Schotten, sind ebenfalls aus Tweed.

Auch in diesem Winter ist Tweed aus der Mode nicht wegzudenken. "Wichtig ist dabei allerdings, wie man ihn kombiniert", sagt Müller-Winkelmann. Klar ist: Wer auf Tweed im Gesamtlook setzt, erweckt schnell den Eindruck, demnächst auf die Jagd gehen zu wollen. "Darum gilt bei diesem Material das Motto: Gegensätze ziehen sich an." Wer also einen Tweedrock trägt, kombiniert dazu beispielsweise eine Bluse aus Seide. Das gibt dem gesamten Outfit eine feminine Note und nimmt dem Tweed den rustikalen Touch.

Dezenter Schmuck


"Auch die Auswahl der richtigen Schuhe, beispielsweise zu einer Hose aus Tweed, macht viel aus", erläutert Designerin Ritchie Karkowski aus Hamburg. "Man sollte zwar auf Pfennigabsätze verzichten, weil das stilistisch nicht zusammenpasst, aber ein höherer Schuh mit breiterem Absatz sieht gut zu Tweed aus." Schmuck spiele in der Kombination mit diesem Stoff ebenfalls eine große Rolle. "Dezent sollte er auf jeden Fall sein."

So edel das Material auch ist: Tweed ist kein unauffälliger Stoff. "Deshalb müssen beispielsweise kleine, zierliche Frauen genau hinschauen, für welches modische Kleidungsstück sie sich entscheiden. Tweed kann dafür sorgen, dass sie quasi darin versinken", warnt Müller-Winkelmann. Abstimmen auf die eigene Figur sollte man auch die Art. "Neben dem bekannten, etwas schwereren Wolltweed, gibt es als Alternative den sogenannten Seiden-Tweed. Der ist leichter und umschmeichelt die Figur", erklärt Rose. Vielfach wird Seiden-Tweed für Röcke und Blazer verwendet, oft in einer Kombination von Seide und Leinen.

Auch Taschen und Schuhe


Neben Mänteln, Röcken und Hosen erobert Tweed aber auch mehr und mehr die Accessoires-Szene: "So sind beispielsweise Taschen aus diesem Material in Verbindung mit Leder-Elementen zurzeit sehr angesagt", sagt Rose. Und Karkowski hat beobachtet: "Elegante Schuhe in klassischer Pumps-Form aus Tweed sind ein echter Hingucker." Und sie werten auch eine sportliche Jeans ungeheuer auf.

Die Designerin hat auch noch einen Tipps für ein perfektes Outfit: "Kombiniert man beispielsweise einen klassischen Tweed-Blazer mit einer Hose aus Denim und einem Print-Shirt, wirkt der Look gleichzeitig lässig und edel."
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