Modellvielfalt bei Autos so groß wie nie
Fluch oder Segen?

Beim ersten Massenauto der Automobilgeschichte hatte der Kunde wenig Auswahl. Das Ford Modell T gab es nur in schwarz. Henry Ford war die Technik wichtiger als die Verpackung. Inzwischen scheint es fast umgekehrt zu sein. Nach einer Untersuchung des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen werden in Deutschland derzeit über 3000 Fahrzeugtypen angeboten. Dazu zählen Modelle, Karosserieformen und Motorenarten. Die technische Basis vieler Varianten ist dabei oft gleich.

Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive der Fachhochschule Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach, ist sich sicher, dass der Trend weitergeht: "Die Tendenz geht zu einer größeren Modellvielfalt. So werden auf einem gesättigten Markt Kundenwünsche besser bedient. Durch die entsprechenden Plattformen und Baukasten-Systeme lassen sich Derivate kostengünstig produzieren."

Außerdem, so Bratzel, können die Hersteller ihre neuen Varianten bewerben und bleiben somit im Gespräch. Je stärker das Produkt, desto mehr Typen seien auch möglich. Neben dem Porsche 911 gelte das auch für den Mini. "Bei den Premiumfahrzeugen wird die Vielfalt und Individualisierung weiter zunehmen", meint Bratzel. Allerdings müssen die Hersteller aufpassen. "Beim Mini wird es für die Kunden langsam unübersichtlich", sagt er.

Auch Paolo Tumminelli, Professor an der International School of Design in Köln, hält die zunehmende Modellvielfalt für nicht ganz risikolos. Zwar könne der Hersteller durch Diversifikation innerhalb eines Modellzyklus viele Varianten anbieten und so regelmäßige neue Fahrzeuge vorstellen und schneller auf Trends reagieren. Dabei dürfe aber nicht die Identität des Fahrzeugtyps verloren gehen, sagt er.

Und: "Es gibt nicht mehr das perfekte Auto hinsichtlich Gewicht, Leistung und Verbrauch. Die flexiblen Plattformen sind ein Kompromiss", gibt er zu bedenken. So schleppt ein VW Golf mit 85 PS ähnlich viel Stahl mit sich herum wie die 150-PS-Variante.
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