Mord auf Friedhof in Stuttgart
Freund des Opfers vor Gericht

Auf dem Pragfriedhof in Stuttgart wurde im September 2015 Lena W. ermordet. Nun begann der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter. Bild: dpa

Lena W. stirbt an unzähligen Knochenbrüchen und massivem Blutverlust. Die Leiche der 21-Jährigen wird auf dem Stuttgarter Pragfriedhof gefunden. Seit Montag steht ein Freund von ihr vor Gericht.

Stuttgart. Im Prozess um den Fund einer blutüberströmten Frauenleiche auf einem Friedhof in Stuttgart hat der 30 Jahre alte Angeklagte die Aussage verweigert. Laut Anklage erschlug der Koch und Eventpianist in der Nacht zum 10. September 2015 die 21 Jahre alte Lena W. auf dem zentralen Pragfriedhof der baden-württembergischen Hauptstadt mit einem Tongefäß und brach ihr mit Tritten gegen Kopf und Brustkorb zahlreiche Knochen.

Als Todesursache nennt die Staatsanwaltschaft "stumpfe Gewalteinwirkung, die zu einer Beeinträchtigung der Atmung und massivem Blutverlust führte". Die Anklage gegen den zur Tatzeit 29-Jährigen lautet auf Totschlag.

Angeklagter schweigt


Der Angeklagte sagte beim Prozessauftakt am Montag kein Wort. In früheren Aussagen hatte er aber stets bestritten, die junge Frau umgebracht zu haben. Ja, er sei mit Lena W. an dem Abend auf dem Friedhof gewesen. Beide seien gut befreundet, aber kein Paar gewesen. Zwar seien sie auf dem Weg zu einer Wohnungsbesichtigung gewesen, auf dem Friedhof hätten sich die beiden aber getrennt.

Das Blut der jungen Frau, dass später an seiner Kleidung gefunden wurde, stamme wohl von einem Treffen zwei Tage vorher in einer Disco, so sein Verteidiger. Damals habe Lena W. Nasenbluten gehabt. Der Anwalt stellte mehrere Befangenheitsanträge gegen die Kammer. Diese sei voreingenommen an den Fall gegangen und habe andere Täter gar nicht in Betracht gezogen. Sein Mandat sei quasi vorverurteilt.

Vor allem das mögliche Motiv des 30-Jährigen liegt im Dunkeln. Die Anklage gegen ihn lautet derzeit auf Totschlag, Mordmerkmale seien nicht zu erkennen, hieß es. Wie am Montag bekannt wurde, hält das Gericht aber auch eine Verurteilung wegen Mordes noch für möglich, wenn Heimtücke nachgewiesen werden könnte. Das Verfahren mit bislang 27 geladenen Zeugen soll bis Ende März dauern.
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