München/Amberg: Am Sonntagabend mehrere Lichtschweife am Himmel zu sehen - wahrscheinlich Meteor
Aufregung in Süddeutschland

Dieses spektakuläre Bild nahm die Webcam des Bürgernetzvereins auf dem Turm der Mariahilfberg Kirche auf. Es zeigt den Lichtschweif über Amberg. (Bild: www.amberg-live.de / Bearbeitung: gld)

München/Amberg (dpa). Im Süden Deutschlands haben viele Bürger am Sonntagabend einen Lichtschweif am Nachthimmel beobachtet. Bei zahlreichen Polizeipräsidien in Süddeutschland riefen am Sonntagabend Menschen an. «Dutzende besorgte Bürger haben berichtet, dass sie Lichtblitze am Himmel sahen», sagte ein Sprecher des Lagezentrums der bayerischen Polizei in München.

In Baden-Württemberg meldeten sich nach Angaben des Lagezentrums in Stuttgart rund 100 Menschen bei der Polizei. «Aber wir haben keine Erkenntnisse über irgendwelche Schäden», sagte ein Sprecher. Auch in der Oberpfalz wurde der Lichtschweif gesichtet - und sogar von einer Webcam festgehalten. Die Kamera auf dem Turm der Amberger Mariahilfberg Kirche, angebracht vom Bürgernetzverein, nahm den Lichtkörper am Sonntagabend um 20.44 Uhr zufällig auf (siehe Foto). In Unterfranken hatten Bürger offenbar zunächst Angst, es könnte ein Flugkörper abgestürzt sein, wie die dortige Polizei berichtete. Auch Streifenpolizisten sahen demnach im Landkreis Schweinfurt einen weißen Schweif langsam in südöstliche Richtung fliegen. Der schweizerischen Nachrichtenagentur sda zufolge gingen bei der Polizei im Nachbarland ähnliche Anrufe ein.

Experte: "Wahrscheinlich ein Meteor"

Am Montag schätzte Axel Quetz, Diplomphysiker am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, das Objekt als Meteor ein - sozusagen eine Sternschnuppe in groß:

Frage: Was haben die Menschen in Süddeutschland beobachtet?

Antwort: Wahrscheinlich war es ein Meteor - also ein Gesteins- oder Metallbrocken, der in einer Höhe von 50 bis 100 Kilometern verglüht ist. Solche Objekte treffen mit hoher Geschwindigkeit auf die Atmosphäre, zwischen 11 und 70 Kilometern pro Sekunde, und werden dabei abgebremst. In Reaktion mit den Luftmolekülen entsteht der helle Schweif.

Frage: Kann ein solches Objekt auch einschlagen?

Antwort: Um so hell zu strahlen, muss der Brocken zwischen fußball- und kühlschrankgroß gewesen sein. Je größer das Objekt ist, umso wahrscheinlicher bleibt etwas übrig. Sollte der Meteor vom Sonntag den Boden erreicht haben, kann es aber Monate oder Jahre dauern, bis er gefunden wird. Die üblichen Sternschnuppen werden dagegen von Objekten verursacht, die gerade einmal die Größe eines Kirschkerns haben - sie erreichen den Boden nicht.

Frage: Wie häufig sind solche Ereignisse zu sehen?

Antwort: Wir wissen, dass weltweit im Mittel einmal im Monat ein solcher Brocken in der hohen Atmosphäre explodiert. Das heißt grob gesagt: Einmal jährlich pro Erdteil. Weil es aber häufig nachts wie tags bewölkt ist, sieht man den Meteor nur selten - zwischen solchen großen Erscheinungen liegen meist mehrere Jahre.
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