"Na, dann konsolidiert mal schön"
Briefe an die Redaktion

Die geplanten Änderungen des Stadtrats für die "Regi" erhitzen weiterhin die Gemüter der Leser aus nah und fern:

Könnten Sie mir mal aus dem Stegreif sagen, weshalb man - quer durch die Bevölkerung im sehr weiten Umland und quer durch alle Altersstufen - wirklich unbedingt nach Weiden muss? Und was man außerdem jedem, der zu Besuch ist, voller Stolz zeigt? Das ging mir vor einiger Zeit durch den Kopf - und mir fiel spontan nur die "Regi" ein. Immerhin 1000 Ausleihen täglich - das ist schon ein Wort! Und jedes mal einen Weg wert. Aber mal anders betrachtet: Eigentlich ist das auch verdammt wenig. Und das bisschen muss nun auch noch verhunzt werden!

Die "Regi" (bzw. Bücher überhaupt) ist den Damen und Herren des Stadtgremiums persönlich nicht viel wert, bloß als Kostenfaktor ein Dorn im Auge. Vielleicht können sich manche (ich hoffe, nicht etwa alle!) unserer Regierenden auch gar nicht vorstellen, dass Bücher "bloß leihen" für ziemlich viele lebensnotwendig sein könnte.

Missachtung und Diskriminierung überhaupt: Die Damen und Herren erlaubten der Chefin der "Regi" nicht mal, etwas zu ihrer Verteidigung zu sagen - denn was anderes war es wohl nicht. Sozusagen Sprechverbot - ein Affront! (Ein Affront ist eine öffentlich erteilte Backpfeife!) Muss man sich das eigentlich alles gefallen lassen, nur weil man Chefin der "Regi" ist? Ich meine Nein - und hätte vermutlich sofort gekündigt.

Bloß Dezernent Reiner Leibl warnte eindringlich - am Ende allerdings vergeblich: Einstimmig (!) verabschiedeten die Stadträte eine neue Satzung für die "Regi", die nicht nur eine saftige Erhöhung der Gebühren, sondern noch weitere, unakzeptable Restriktionen vorsieht. Solchen Beschluss können nur bildungsferne Personen treffen. Doch damit nicht genug: Bisher gewährt die Stadt Mitgliedern des Fördervereins "Pro Libris" Vorteile bei der Benutzung der Regionalbibliothek. Dies darf sie aber bald nicht mehr. Grund sind Beanstandungen des Kommunalen Prüfungsverbands.

Schon mit den bisherigen Nutzungsentgelten liege die Weidener Einrichtung "ganz vorne im Bundesgebiet", hatte Leibl vor dem Beschluss betont. Die neue 50-Cent-Regelung (pro Buch!) verursacht überdies mehr Verwaltungsaufwand. Weitere Neuerungen sehen einen weiteren Schließtag neben dem Montag vor - Einsparung dafür lediglich 6200 Euro pro Jahr (!!!), obendrein eine Kostenpflicht von Führungen auswärtiger Schüler.

Immerhin ist "Pro Libris" mit über 8000 (!!!) Mitgliedern der größte Verein - nicht nur der Oberpfalz. Ich finde nicht, dass das neue Konzept für "Pro Libris" eine große Herausforderung ist. Schließlich kommt es einem Verbot dieser Vereinigung gleich, die tatsächlich sechsstellige Summen für die "Regi" aufgebracht und obendrein gesellschaftlich eine bedeutende Rolle gespielt hat. Denn das eigentlich Entscheidende bei "Pro Libris" war doch: sich zusammenzuschließen und an etwas sehr Wichtigem beteiligt zu sein. So 'ne Premiumcard - eine unter den vielen im Portemonnaie - ist dafür absolut kein Ersatz! Nirgendwo wird aber anerkannt, was für eine gewaltige Leistung die "Regi" schon allein damit erbringt, dass immer die richtigen Bücher da und up to date sind. Im Bibliotheken-Wettbewerb gab es für die "Regi" mehrfach Gold und fast immer erste Plätze.

Nein, nicht zu Unrecht ist die "Regi" einer der größten Umlandmagnete Weidens. 1000 Ausleihen täglich kickt man nun einfach so weg: "Können wir uns nicht mehr leisten" (Pausch, CSU). "Nötig für die Haushaltskonsolidierung" (Richter SPD). Na, dann konsolidiert mal schön - mehr kann man dazu nicht sagen. Denn genau das Gegenteil einer Verbesserung wird man hier auf diese Weise herbeiführen. Anzumerken ist noch: Eine Bibliothek, die man erst mal regelrecht abgewürgt hat, ist genauso unmöglich wieder in Gang zu setzen wie der Leichnam eines sonstwie Abgemurksten.

Derzeit allerdings ist das Oberzentrum Weiden erst mal dabei, sich mit seiner ganz besonderen "Kultur" zu blamieren - bis auf die Knochen! Vorschlag für neuen "Regi"-Slogan über der Eingangstür: Falls hier auf ist, werden sie beim Lesen auch gleichzeitig gemolken?

Ingeborg GollwitzerWeiden/Altenstadt

"Leiht uns keine Bücher mehr"

Frau Holl und die Stadträte haben vollkommen recht: Die Regionalbibliothek ist zu attraktiv - und die Nachfrage ist zu groß. Daran sind wiederum wir Nicht-Weidener schuld; an die fünfhundert ziehen täglich durch. Wir lesen Ihre Bücher, trinken Ihren Kaffee und blockieren Ihre Parkplätze.

Höchste Zeit, uns zu vertreiben: Leiht uns keine Bücher mehr - oder höchstens fünf, damit sich die Anfahrt nicht lohnt. Dann wird es endlich wieder ruhig im Städtchen, in den Cafés, in den Geschäften, in der Bücherei. Dort kann der Stadtrat dann ganz ungestört Zeitung lesen - ganz ungestört, denn das Café dort existiert dann wohl auch nicht mehr.

Leonhard WaldmüllerAmberg

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