Nach Weiberfasching: Amberg, oje!

Zum Artikel "Der Rest vom Weiberfest" über den Hexenfasching auf dem Marktplatz:

"Nur ein paar leere Bierflaschen und Getränkebecher erinnern an die große Sause" - dieser Satz klingt für die Anwohner und Geschäftsinhaber wie ein Faschingsscherz. Es waren auf dem Marktplatz viele Mobiltoiletten aufgestellt, trotzdem wurde in Hauseingängen und an vielen Wänden öffentlich uriniert. Als Mesner der Basilika darf ich seit Jahren am Tag nach Weiberfasching Unrat, Urinpfützen und Kotzflecken entfernen.

Obwohl viele fleißige Stadtarbeiter schon in der Nacht und am Morgen ein Scherbenmeer und eine Unzahl von Müll und leeren Flaschen beseitigt haben, findet man in Ecken und Winkeln sowie auf Fensterbrettern leere und angefangene Flaschen. Es handelt sich dabei nicht nur um Bier, sondern auch um Sekt, Wein und viele Schnapsflaschen. Obwohl am Marktplatz an vielen Ständen Getränke erworben werden können, nehmen viele Feiernde lieber ihre eigenen Getränke von zu Hause mit.

Erschreckend auffällig ist auch die hohe Zahl von Jugendlichen, die erkennbar alkoholisiert durch die Straßen der Stadt ziehen. Normalerweise wird das ganze Jahr über öffentliches Alkoholtrinken (vor allem bei Jugendlichen) streng geahndet, an Weiberfasching scheint es aber keine Kontrollen zu geben. Auch beim öffentlichem Urinieren scheint "nicht einschreiten, Hauptsache alles bleibt einigermaßen ruhig" das Motto zu sein. Flaschen zu zertrümmern und seinen Abfall fallenzulassen, wird ohnehin nicht bestraft.

Nun zum Positiven: Der Weiberfasching am Marktplatz ist ein gelungenes Faschingstreiben, das auch zu Recht weit über die Amberger Grenzen hinaus beliebt ist. Die meisten Feiernden benehmen sich auch vorbildlich. Wie bei jeder anderen Veranstaltung auch, sollte jedoch das Mitbringen von Getränken verboten und kontrolliert werden. Beim wilden Urinieren könnte man sich Faschingshochburgen wie Köln oder Düsseldorf zum Vorbild nehmen. Wer dort beim öffentlichen Wasserlassen erwischt wird, muss ein sofortiges Bußgeld von 100 Euro bezahlen.

Auch wenn meine Vorschläge umgesetzt werden, würden nicht alle Verunreinigungen in Zukunft gestoppt werden. Aber es wäre schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn sich aber nichts ändert, heißt es wieder bei den Feiernden "Amberg, oho", bei den Anwohnern am nächsten Tag aber "Amberg, oje".

Thomas Pesold, Amberg
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