Nachmieter, Mietminderung, Feiern oder Grillen oft Streitthemen
Häufige Irrtümer im Mietrecht

Berlin. (dpa/tmn) Mieter ist irgendwann fast jeder einmal in seinem Leben. Klar, dass natürlich auch fast jeder glaubt, sich mit allen rechtlichen Fragen rund um das Thema Wohnen auszukennen. Doch das ist oft ein Irrtum: "Das Mietrecht ist sehr komplex", sagt die Berliner Mietrechtsanwältin Beate Heilmann. "Allein der Bundesgerichtshof fällt jedes Jahr zahlreiche Urteile in diesem Bereich", erläutert Heilmann, die in der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien im Deutschen Anwaltverein (DAV) tätig ist. Selbst Juristen kennen sich daher oft nicht in jedem Winkel dieses Rechtsgebietes aus. Einige Irrtümer im Überblick:

Mieter dürfen Nachmieter stellen: Fast jeder kennt das: Die neue Wohnung ist frei, der alte Mietvertrag läuft aber erst in drei Monaten aus. "Viele glauben, wenn sie drei Nachmieter stellen, kommen sie früher aus dem Vertrag", erläutert Heilmann. Doch das ist falsch. "Mieter müssen sich grundsätzlich an die Kündigungsfristen halten." Jeder Vermieter darf grundsätzlich selbst entscheiden, an wen er die Wohnung vermieten will. "Der Mieter kann dem Vermieter keinen neuen Mieter aufzwingen." Anders verhält es sich nur, wenn im Mietvertrag vereinbart wurde, dass ein Nachmieter gestellt werden darf. Bei Zeitmietverträgen können Härtegründe vorliegen, die es für Mieter unzumutbar machen, noch jahrelang in der alten Wohnung zu leben. Zum Beispiel, wenn der Mieter berufsbedingt den Wohnort wechselt oder in ein Altenheim zieht. In diesen Fällen reicht ein geeigneter Nachmieter aus, um das Mietverhältnis zu beenden.

Eine Mietminderung muss der Vermieter genehmigen: Schimmel in der Wohnung oder zugige Fenster - immer wieder treten in Mietwohnungen Mängel auf. In solchen Fällen können Mieter grundsätzlich die Miete mindern. "Viele denken, sie brauchen dafür die Zustimmung des Vermieters", sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin. Doch das ist falsch: "Nach dem Gesetz ist die Miete automatisch gemindert, wenn ein Mangel eintritt." Voraussetzung für die Minderung ist, dass Mieter ihren Vermieter über den Mangel informieren. "Bis der Mangel beseitigt ist, dürfen Mieter die Miete kürzen", stellt Ropertz klar. Das heißt, sie können beim nächsten Zahlungstermin weniger Miete für ihre Wohnung überweisen. "Hierüber muss der Vermieter nicht unterrichtet werden." Die Höhe der Mietminderung muss der Mieter selber einschätzen.

Mieter dürfen einmal im Monat laut feiern hört man an immer wieder. "Das ist falsch", sagt Ulrich Ropertz. "Bei allen Partys und Feiern, egal aus welchem Anlass, ist Rücksicht auf die Nachbarn im Haus zu nehmen." Das bedeutet: Ab 22 Uhr gilt Nachtruhe.

Mieter dürfen auf ihrem Balkon im Sommer jederzeit grillen: Nicht nur Hausbesitzer, auch Mieter in Mehrparteienhäusern wollen im Sommer gerne draußen grillen. Und wer keinen Garten hat, geht dafür eben auf den Balkon. Schließlich ist das angeblich ja erlaubt. "Ein grund- sätzliches Recht darauf gibt es aber nicht", sagt Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutsch- land. "Die Rechtsprechung ist hier sehr uneinheitlich."
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