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Der coole Trick der Schnecken

Dies ist die Schnecke Elysia timida. Sie ist durch die Pflanzen-Bestandteile grün gefärbt. Bild: Heike Wägele, ZFMK

Sie sind klein, sie leben unter Wasser und sie haben eine besondere Fähigkeit: Bestimmte Nacktschnecken können Bestandteile von Pflanzen-Zellen einlagern - und brauchen dann erst einmal nichts mehr zu fressen.

Normalerweise müssen Tiere fressen, um zu überleben. Aber es gibt Schnecken, die einen speziellen Trick auf Lager haben. Dabei funktionieren sie ein bisschen so wie Pflanzen. Das ist in der Tierwelt ziemlich einmalig.

Eine Schnecken-Art, die diesen Trick auf Lager hat, ist die Elysia timida. Die Tierchen sind nicht besonders groß, nur etwa zwei Zentimeter. Sie haben kein Schneckenhaus und leben unter Wasser. Man findet sie zum Beispiel im Atlantischen Ozean oder im Mittelmeer.

Lager im Magen


Diese Schnecken können bestimmte Bestandteile von Pflanzen-Zellen in ihrem Magen einlagern. Diese Bestandteile heißen Chloroplasten. Für Pflanzen sind Chloroplasten wichtig fürs Überleben. In ihnen findet ein besonderer Prozess statt: die Fotosynthese. Das bedeutet: Mit dem Licht der Sonne und anderen Stoffen stellen Pflanzen Sauerstoff und Zucker her. Vom Zucker ernähren die Pflanzen sich.

Und das funktioniert auch bei der Meeresschnecke Elysia timida. Die Tiere fressen bestimmte Algen. Dafür bohren sie die Pflanzen an und saugen den Inhalt der Algen-Zellen aus. Im Magen der Schnecke wird dieser Zell-Schlabber dann verdaut. Aber nicht komplett!

Die Chloroplasten der Pflanzen werden im Magen nicht angegriffen, sondern gespeichert. Dort arbeiten sie merkwürdigerweise weiter. So als wären sie noch Teil der Pflanze. Das bedeutet, sie betreiben weiterhin Fotosynthese: Mit Hilfe von Wasser und Licht wandeln sie ein besonderes Gas um. Es heißt Kohlen-stoff-dio-xid, kurz CO2. Die Chloroplasten können dieses Gas in Sauerstoff und Zucker umwandeln.

Zucker als Nahrung


Der Zucker, das haben Forscher herausgefunden, dient der Schnecke als Nahrung. Sie braucht dann zum Teil mehrere Monate lang nicht zu fressen. Irgendwann gehen die Chloroplasten aber kaputt.

"Wie lange sie aktiv bleiben, hängt von verschiedenen Dingen ab", erklärt die Forscherin Heike Wägele. Etwa von der Wassertemperatur und dem Alter der Schnecke. Die kaputten Chloroplasten werden dann im Schnecken-Magen verdaut. Viele Dinge wissen die Forscher über diese besonderen Schnecken aber noch nicht. "Wir wollen zum Beispiel herausfinden, warum ausgerechnet die Chloroplasten nicht verdaut werden. Was passiert da im Magen der Schnecke?", sagt die Fachfrau.

Ein weiteres Rätsel für die Forscher: "Was macht die Schnecke mit dem Sauerstoff? Und wo kommt das Kohlenstoffdioxid her?"

Außerdem brauchen die Chloroplasten für die Fotosynthese Licht. "Die Schnecken sind aber vor allem in der Dämmerung aktiv. Sie meiden die Mittagssonne", verrät die Forscherin. Wieder so ein Rätsel. Es gibt also noch viel über die seltsamen Tiere herauszufinden.
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