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Stein auf Stein gesetzt

 

Am Strand Stein auf Stein auftürmen! Das ist zum Beispiel auf der Insel Öland in Schweden ein alter Brauch. Die Figuren heißen Steinmännchen. Sie sollen vor Trollen schützen.

Oder einfach nur Glück bringen. Wer ein Steinmännchen bauen will, braucht aber viel Geduld.

Einen Freund im Sand einbuddeln oder Sandburgen bauen. Viele Sachen, die am Strand Spaß machen, klappen an diesem Strand nicht. Denn es ist ein Steinstrand. Aber langweilig ist es dort trotzdem nicht!

In der Ostsee


Der Strand liegt auf der Insel Öland - und zwar an der nördlichsten Spitze. Die Insel gehört zum Land Schweden und liegt in der Ostsee.

Der Strand sieht wie ein riesiges Geröllfeld aus. Mal sind die Steine schwarz, mal braun. Manche sind flach wie ein Teller. Andere dick und kantig oder oval wie ein Ei. Aus den herumliegenden Steinbrocken haben Leute verschiedene Sachen gebaut.

Die aufeinandergestapelten Steinfiguren sind mal höher, mal niedriger. Sie bilden Formen wie Hügel, Türmchen oder Häuser. Manche sehen wie Männchen aus. Diese seien typisch für die Region und hießen Steinmännchen, erklärt Friedemann Schmoll. Er ist Forscher und kennt sich besonders gut mit diesen Figuren aus.

"Steinmännchen finden wir vor allem in menschenarmen, gebirgigen und wilden Regionen", sagt Herr Schmoll. "Durch ihre menschenähnliche Gestalt bringen sie Leben in diese leeren Räume." Hirten und Wanderer bauen zum Beispiel diese Männchen auf, wenn sie allein einen weiten Weg durch die Natur gehen. "So schaffen sie sich aus Einsamkeit Gesellschaft in Form von Steinmännchen", erklärt der Experte.

Etliche Menschen in Schweden glauben außerdem an Trolle. Die Steinmännchen sollen sie vor diesen Wesen schützen. Manche glauben, dass es nur Glück bringt, ein ganzes Steinmännchen zu bauen.

Einfach so


Auch Leute, die nicht abergläubisch sind, bauen Steinmännchen am Strand. Oder vor Sehenswürdigkeiten. Einfach so, weil sie Lust haben. Außerdem zeigen sie damit: "Ich war hier". Und sie hinterlassen etwas von sich an dem Ort, den sie besucht haben.

Es dauert ein bisschen, bis ein ganzes Männchen steht. Beim Bauen wackeln die Steine manchmal. Wer ein Steinmännchen auftürmt, braucht also Geduld. Es ist wichtig, einen Stein zu finden, der gut zu dem darunter passt. Sonst fällt das Männchen schnell um. Am Ende sind die Steine so aufeinandergetürmt, dass die Figur gut hält.

Wieder Geröll


Kommt aber eine größere Welle vom Meer, liegen viele der Steine wieder als Geröll auf dem Strand. Dann freuen sich bestimmt die nächsten Urlauber darüber, damit neue Steinmännchen bauen zu können.

Das Anhäufen von Steinen sei ursprünglich in Zusammenhang mit Begräbnissen entstanden, sagt ein Forscher. "Jeder, der des Weges kam, sollte einen Stein ablegen", erklärt der Experte. Etwa als Gruß an die Verstorbenen. So entstanden große Steinhaufen, wenn viele Leute an einem Grab vorbeikamen.

So ähnlich machen es viele Wanderer und Reisende noch heute. Wenn sie ein Steinmännchen oder einen Steinhügel sehen, legen sie einen zusätzlichen Stein darauf. Damit ihnen nichts passiert.

In Schweden stehen Steinmännchen oft am Strand. In Deutschland kann man sie zum Beispiel in den Alpen an Wegen und auf dem Gipfel sehen. "Dass Menschen Steine anhäufen oder auch daraus Gestalten formen, finden wir fast überall auf der Welt, in allen Kulturen", erklärt der Forscher Friedemann Schmoll.

Ein Steinmännchen kann ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. "Je nachdem, wo sie stehen", sagt der Experte. In Skandinavien sollen sie die Leute etwa vor Trollen schützen.

In den Alpen und anderen Regionen helfen sie Wanderern, den Weg zu finden. "Steinmännchen können aufgrund ihres Aussehens als Zeichen für markante Punkte oder Wegmarkierungen dienen", sagt Herr Schmoll. Also zur Orientierung in wildem Gelände, wo es keine eindeutigen Wege gibt.

Manchmal sollen Steinmännchen Glück bringen, wie etwa in Italien: "So legten Kinder aus Südtirol, die zum ersten Mal zur Alp gingen, vorher Steine auf einen Haufen ab", erklärt Herr Schmoll. "Damit ihnen auf ihrem Weg nichts passierte." (dpa)

Das sind Steinmännchen auf der Insel Öland. Bild: dpa

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