Nachruf für Alan Rickman
Ein großartiger Bösewicht

Selten stand Alan Rickman (im Bild mit Kate Winslet) so im Mittelpunkt wie hier als König Ludwig XIV. in seinem letzten Film „Die Gärtnerin von Versailles“, bei dem er außerdem Regie führte. Bild: Alex Bailey/Tobis Films
Keiner starb den Filmtod so schön wie Alan Rickman. Wie er in "Stirb langsam" als Terrorist Hans Gruber rückwärts vom Nakatomi-Wolkenkratzer fiel, als Sheriff von Nottingham tödlich getroffen minutenlang durch die Gegend wankte oder von Barbier Johnny Depp mit einer Rasierklinge niedergemetzelt wurde - es waren einige der skurrilsten Abgänge der Filmgeschichte.

Nun ist der britische Ausnahmeschauspieler, der begnadete Theatermime tatsächlich tot. Die Filmwelt trauert um den Mann, der in seinen Werken selten der Held war, meist den dunkel gekleideten Gegenpart gab. Als der Meister der vielen düsteren Schattierungen ließ er Filmpartner wie Kevin Costner oder Bruce Willis erstrahlen. Der sympathische Brite spielte die Klaviatur des zwielichtigen, dämonischen Bösewichts mit theatralischen, zynischen und humorigen Elementen mit einer Brillanz, wie es nur wenige können.

Trotz seiner stilistischen Wandelbarkeit - etwa als exzentrischer Engel in "Dogma" oder als melancholischer Colonel in "Sinn und Sinnlichkeit" - ist es dieser Typus, der in Erinnerung bleiben wird. Und das extrem seltene Talent, jede Rolle zu etwas Ungewöhnlichem zu machen. Selbst wenn er, der Finsterling vom Dienst, auch mal der Gute war.

tobias.schwarzmeier@derneuetag.de
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