Nächster Halt: Museumsbahn

Nur die Älteren erinnern sich noch an sie: Von 1903 bis 1964 fuhr in Regensburg eine Straßenbahn! Ein Triebwagen mit Beiwagen blieb erhalten und steht seit 25 Jahren auf dem Gelände der Regensburger Verkehrsbetriebe. Der Verein "Interessengemeinschaft Historische Straßenbahn Regensburg e.V." will das historische Fahrzeug wieder auf einer Museumsbahn zum Laufen bringen.

Regensburg. Zweiter Vorsitzender Bernd Edtmaier interessierte sich eigentlich für Stadtbusse. "2011 hab' ich ein Buch über den Regensburger Stadtbus geschrieben, dabei ist mir aufgefallen, dass die Straßenbahn vor genau 50 Jahren stillgelegt worden ist." Und er lernte den heutigen Vorsitzenden Jan Mascheck kennen, der die alte Straßenbahn retten wollte. Weil es das alte Streckennetz nicht mehr gibt, wollten die beiden eine neue Strecke an der Donaulände bauen.

100 000 Euro Startkapital

Die Stadt Regensburg war von der Idee durchaus angetan und versprach Unterstützung. Voraussetzung: Ein Verein sollte zuerst als Startkapital 100 000 Euro zusammenkratzen. Wenige Tage später, am 13. Oktober 2014, kam es zur Gründung des Vereins mit acht Gründungsmitgliedern. Heute sind es schon 22, und die haben schon ein komplettes Konzept erarbeitet und durch verschiedene Aktionen schon rund ein Viertel des geforderten Startkapitals erwirtschaftet.

Ein Stück Gleis mit Anschluss an die Hafenbahn gibt es an der Donaulände schon, das man nur verlängern müsste. Leider haben die alten Straßenbahnwagen eine Spurweite von einem Meter, das Gleis aber ist in "Regelspur" mit 1,435 Metern ausgeführt. Weil es viel billiger sei, von einer Gleisbaufirma eine Verlängerung in Regelspurweite bauen zu lassen als die ganze Strecke neu in Meterspur zu bauen, muss der Straßenbahn-Triebwagen umgespurt werden. Das ist aber nun auch nicht so einfach.

Diesel oder Akku?

Rahmen und Achsen müssten getauscht werden, Motoren und Bremsen wären wiederverwertbar. Rund 260 000 Euro würde die gesamte Sanierung kosten. Doch da gibt es noch ein Problem: Der Aufbau eines Fahrdrahtes über dem Gleis wäre viel zu teuer, also muss der Triebwagen anderweitig mit Strom versorgt werden. Am einfachsten wäre, einen Anhänger mit einem kleinen Dieselgenerator hinterher zu ziehen. Ambitioniertere Lösungen sehen einen Hybridantrieb oder einen reinen Akkubetrieb vor. Der Akku würde dann an einer Ladestation unter der Nibelungenbrücke über ein Stück Oberleitung und den vorhandenen Stromabnehmer geladen.

Vom Museum zur Brücke

Die Kernstrecke soll zwischen der Nibelungenbrücke und dem Museum der Bayerischen Geschichte entstehen. Auch wer die Bahn nutzen soll, schwebt den Initiatoren bereits vor: Altstadtbesucher, die im Wöhrd-Parkhaus parken, das an der Stelle des ehemaligen Eisstadions errichtet werden soll. Von dort müsse man nur über das südlichste Stück der Brücke gehen und hätte dann nach zwei Minuten die Haltestelle erreicht. Auch eine Verlängerung bis zum "IT-Speicher" und dem "Marinaquartier" sowie dem geplanten Quartier "Außenmarina" ist in die Überlegungen einbezogen. Auch Fahrgäste der vielen Touristen-Schiffe, die hier anlegen, sind als Zielgruppe anvisiert.

Gleis ins Museum

Auf der anderen Seite, dem Museum der Bayerischen Geschichte, wäre sogar ein Gleis denkbar, das bis ins Museum reicht, wo man eine Abteilung über den Öffentlichen Personennahverkehr in Bayern einrichten könnte. Derartige Überlegungen seien allerdings beim Haus der Bayerischen Geschichte bisher auf taube Ohren gestoßen, so die Initiatoren. Das Projekt soll in der Minimalkalkulation 850 000 Euro kosten, in der maximalen Variante bis zu 1,75 Millionen Euro.
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