Naherholungsgebiet nicht zerstören
Briefe an die Redaktion

Zur Diskussion um die Ost-Tangente:

Der große Oberpfälzer Bruder Regensburg macht es vor. Wegen des Bevölkerungswachstums in der Stadt wurden neue Baugebiete ausgewiesen, wie beispielsweise in Burgweinting. Hier wurde großflächig und preisgünstig Wohnraum geschaffen. Es steht Vorgarten an Vorgarten, aus einem Erholungsgebiet wurde ein Trabantenstadtteil. Geht es nach dem Weidener Baudezernat und ansässigen Baufirmen, so sehe ich die Gefahr, dass die Verlängerung der Osttangente nur ein Vorwand darstellt, um im selben Atemzug ein weitläufiges neues Baugebiet zu erschließen.

Als Familienvater und Neu-Weidener befürchte ich, dass dieses Naherholungsgebiet an der Stadtgrenze von Weiden-Ost zerstört wird. Regensburg ist bereits heute aufgrund hoher Mieten, Überfüllung und unattraktiven Wachstums keine wirkliche Alternative mehr für junge Familien.

Laut Verkehrsgutachten wird die Vohenstraußer Straße von ca. 4000 Autos aus dem Stadtteil Weiden-Ost befahren. Wie diese Zahl bei einer großen Anzahl an neuen Bewohnern in dem geplanten Baugebiet zu einer propagierten Verkehrsentlastung für Vohenstraußer Straße, Biber- und Hopfenweg führen soll, kann schlecht nachvollzogen werden. Hier entsteht zusätzlicher Lärm. Weiterhin gibt es durch den Bau der Tangente eine dritte Beschallung. Eine Straße vom Butterhof Richtung Tröglersricht beschallt nicht nur das Wohngebiet Weiden-Ost zusätzlich, sondern auch das restliche Naherholungsgebiet des Fischerbergs.

Das Schließen von Baulücken oder eine optimierte Bebauung bereits bestehender Flicken von Wohngebieten, z. B. zwischen Schirmitzer Weg und Schirmitz, wären gute Alternativen. Hier scheint eine Erweiterung sinnvoll, da hier kein Naturerholungsgebiet betroffen wäre. Auch der Altersdurchschnitt in Weiden-Ost ist zu berücksichtigen: In absehbarer Zukunft wird hier deutlich Wohnraum zum Verkauf stehen.

Überdies wundert mich die Prognose von Gutachter Baier, wonach die Zahl an Autos in der Vohenstraußer Straße bis 2025 von 11 000 auf 16 000 steigen soll. Es stellt sich die Frage, auf welcher Grundlage diese Einschätzung beruht. Ganz allgemein darf das vielzitierte Gutachten durchaus kritisch beäugt werden (ca. 850 befragte Personen im Vergleich zu einer Gesamtzahl von 11 000 Autos). Im Landkreis Neustadt sinkt laut statistischem Bundesamt, nach Berechnungen aus dem Jahr 2013, die Einwohnerzahl von 98 000 bis auf 88 000 im Jahr 2030. Auch die Population der Stadt Weiden wird sich um 2000 Einwohner reduzieren. Woher kommen dann fast ein Drittel mehr Autos?

Laut Bundesregierung soll bis 2020 bereits eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Tendenz bis 2030 stark steigend. Damit wird sowohl die Emissionsbelastung als auch die Lärmbelästigung merklich vermindert. Die Zerstörung von Natur wird die zukünftige Generation treffen und nur eine vorübergehende Lärm- und Verkehrsverschiebung bezwecken. Zurückbauen wird die Straße später keiner mehr. Was sollen im Übrigen Anwohner der Ostmarkstraße sagen? Hier befahren fast 13 000 Autos eine Bundesstraße mit Tempo 100. Auch Bewohner der Frauenrichter, Neustädter und Christmann-Seltmann-Straße dürften dann eine Umgehung fordern.

Herr Kaltenecker berichtet von nur vereinzelten Leuten, die mit ihren Hunden spazieren gehen. Das stimmt in keiner Weise. Am Wochenende und am späten Nachmittag, wenn die Bürger von der Arbeit nach Hause gekommen sind, sieht man am Fischerberg/Schirchendorf sehr viele Jogger, Laufgruppen, Wanderer, Walker, Familien, Mountainbiker und, ja, auch "Gassigeher". Somit kann ich als neuer Bürger Weidens und Familienvater nur hoffen, dass dieses besondere Gebiet meiner neuen Heimat nicht verschwinden muss.

Daniel FürstWeiden

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