Natascha Kampusch will ein neues Buch über sich verbieten lassen
Alles schon bekannt

Peter Reichard mit seinem Buch "Der Entführungsfall Natascha Kampusch - Die ganze beschämende Wahrheit" vor dem Landgericht in Köln. Kampusch versucht eine einstweilige Verfügung gegen ihn zu erwirken. Bild: dpa

Natascha Kampusch will ein neues Buch über sich verbieten lassen. Sie hat aber wohl nur wenig Chancen, damit durchzukommen. Das Gericht erinnert sie daran, was sie selbst schon über ihr Martyrium veröffentlicht hat.

Köln. Natascha Kampusch (28) steuert vor dem Landgericht Köln wohl auf eine juristische Niederlage zu. Die Österreicherin, die acht Jahre in der Gewalt eines Entführers war, hat eine einstweilige Verfügung gegen das Buch "Der Entführungsfall Natascha Kampusch - Die ganze beschämende Wahrheit" beantragt. Der Vorsitzende Richter, Dirk Eßer, sagte am Mittwoch aber, die Pressekammer neige zurzeit dazu, den Antrag abzuweisen. Eine Entscheidung kündigte er für den 1. Juni an.

Kampusch - die nicht persönlich vor Gericht erschien - richtet sich gegen einen bestimmten Teil des Buches von Peter Reichard. Darin werden Videos beschrieben, die der Entführer Wolfgang Priklopil von ihr und sich gemacht hatte. Kampusch betrachtet diese Schilderung als eine Verletzung ihres Persönlichkeitsrechts. Richter Eßer wies jedoch darauf hin, dass Kampusch in ihrem eigenen Buch ganz ähnliche Szenen beschrieben habe. "All das finden wir auch schon in ihren eigenen Darstellungen", sagte er.

Glühende Verteidigung


Autor Reichard betonte, sein Buch sei "eine glühende Verteidigungsschrift" für Kampusch. "Der Zweck war, Natascha Kampusch von diesen ewigen Verschwörungstheorien zu befreien." Der Entführungsfall Kampusch hatte weltweit Aufsehen erregt. Priklopil hatte die damals Zehnjährige am 2. März 1998 auf dem Weg zur Schule gekidnappt. Nach achteinhalb Jahren gelang der jungen Frau die Flucht. Der Fall wird in Köln verhandelt, weil die Klage dort eingereicht worden ist. Wenn es um ein Buch geht, das überall verfügbar ist, kann der Kläger den Gerichtsort frei wählen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.