Nexans autoelectric entwickelt die Technik von morgen für das Auto der Zukunft
Innovativ und flexibel mit weltweitem Service

Floß. (noe) Nexans autoelectric entwickelt und produziert Verkabelungssysteme und elektromechanische Komponenten für die führenden Automobil- und Systemhersteller rund um den Globus. Das Unternehmen beschäftigt an weltweit 23 Standorten nahezu 9000 Mitarbeiter. Wir sprachen mit Thomas Kost, dem Leiter der Produktentwicklung von Nexans autoelectric über die Technik von morgen.

Herr Kost, warum ist Ihre Entwicklungsarbeit für jeden Autofahrer bedeutsam?

Thomas Kost: Grundsätzlich muss man dazu anmerken, dass das Ergebnis unserer Entwicklungsarbeit für den Fahrzeugnutzer auf den ersten Blick nicht erkennbar ist. Aber letztendlich sind es unsere Produkte, die im Fahrzeug die Darstellung der vielfältigen elektrischen und elektronischen Funktionen ermöglichen. Wir als Systemlieferant entwickeln heute Bordnetze, um alle nötigen Verbindungen für die elektrische Signalübertragung zu ermöglichen - und um die elektrisch benötigte Leistung in Fahrzeugen sicher zu verteilen. Erst durch die elektrische Verbindung von Steuergeräten, Aktoren, Sensoren und vieler weiterer elektrischer Komponenten funktionieren Assistenz-, Komfort- und Infotainmentsysteme.

Bei konventionell betriebenen Fahrzeugen steht vor allem die Reduzierung des CO2-Verbrauchs im Fokus und damit die Einsparung von Gewicht - wie gelingt Ihnen das?

Um entsprechende gesetzliche Vorgaben zu erfüllen, gilt es, jede Komponente eines Fahrzeugs auf ihr Gewicht hin zu optimieren. Für uns heißt das, dass wir in der Konstruktion beispielsweise neue, leichtere Materialen einsetzen, Bauteile miniaturisieren oder gewichtsoptimierte Konstruktionen anbieten, die dann mittels modernsten Simulations- und Berechnungsmethoden sowie physischen Tests auf ihre Eignung hin geprüft werden müssen.

Wie muss man sich die Gewichtseinsparung konkret vorstellen?

Den größten Gewichtsanteil eines Bordnetzes nehmen nach wie vor Leitungen ein. Hier gilt es anzusetzen und entsprechende Gewichtspotenziale zu heben. So arbeiten wir unter anderem daran, durch die Reduzierung von Leitungsquerschnitten Material und somit Gewicht einzusparen. Querschnitte wie 0,13 Quadratmillimeter sind heute bereits Realität. Damit die Kleinstquerschnitte alle Spezifikationen wie Reißfestigkeit oder Biegewechselfestigkeit erfüllen, sind spezielle Materiallegierungen notwendig, die dann wiederum Einfluss auf elektrische Eigenschaften haben. Kurzum, bevor neue Materialien, Ausführungen oder Bauteile zum Serieneinsatz kommen, gehen umfangreiche Entwicklungen und vor allem Test- und Qualifizierungsmaßnahmen voran. Für die Übertragung größerer Strommengen benötigt man aber weiterhin große Leitungsquerschnitte. Hierbei wird Kupfer zunehmend durch das leichtere Aluminium ersetzt. Allerdings sind dabei die besonderen elektrischen und mechanischen Eigenschaften von Aluminium ganz genau zu betrachten.

Autonomes Fahren wird immer wichtiger und erfordert den Ausbau von Assistenzsystemen - wie begegnen Sie dieser Herausforderung?

Das autonome Fahren basiert auf dem sehr schnellen Austausch von großen Datenmengen und der entsprechenden präzisen und zuverlässigen Ansteuerung von elektrischen und elektronischen Komponenten. Das Bordnetz stellt die Verbindung zwischen all diesen Steuergeräten, Sensoren und Aktuatoren sicher. Dementsprechend kommt es darauf an, die geeigneten Leitungen und Steuergeräte einzusetzen, um ein höchsteffizientes und präzises Arbeiten zu gewährleisten.

Nexans ist ein Weltunternehmen: Sie forschen und entwickeln im ländlichen Floß - ist es schwierig, hochqualifizierte Mitarbeiter für die Oberpfalz zu gewinnen?

Nun ja, dass die Entwicklung noch alleine im ländlichen Floß stattfindet, stimmt nicht mehr ganz. Wir haben in Floß einen großen Teil unserer Entwicklungskapazität zentralisiert, aber die Entwicklung findet heute ebenso in unseren kundennahen Entwicklungsbüros in Stuttgart, München, Rüsselsheim, Ingolstadt statt. Hinzu kommen unsere weltweiten Entwicklungstätigkeiten innerhalb unserer Gruppe in Tschechien, USA und China. Die Gewinnung von hochqualifizierten Mitarbeitern ist für viele Unternehmen mittlerweile eine große Herausforderung. Nexans autoelectric hat daher die Zusammenarbeit mit den regionalen Hochschulen seit geraumer Zeit forciert. Unser Unternehmen ist seit 2012 Partner-Circle-Mitglied der OTH Amberg-Weiden und fördert deren Running-Snail-Racing-Team. Darüber hinaus sind wir mit Vorlesungen an der Technischen Hochschule in Ingolstadt vertreten und unterstützen finanziell und personell einen neuen Masterstudiengang für Bordnetzentwicklung, der 2016 an der HAW in Landshut anläuft. Selbstverständlich nutzen wir die Möglichkeit mittels Praktikums-, Bachelor- und Masterarbeiten oder dualem Studium, Nachwuchskräfte aus der Region zu akquirieren.

Was macht Sie eigentlich so erfolgreich?

Zwar sind wir mittlerweile ein Unternehmen mit weltweit annähernd 9000 Mitarbeitern, aber wir haben es geschafft, mittelständische Organisationsstrukturen und kurze Entscheidungswege weitgehend zu erhalten. Das macht uns äußerst flexibel und wir können unseren Kunden einen sehr guten weltweiten Service von der Entwicklung bis hin zur Serienproduktion bieten. Mit unseren Kunden stehen wir üblicherweise in langfristigen Geschäftsbeziehungen. Das schafft Vertrauen und bildet die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Letztendlich kommt es darauf an, den Kunden dauerhaft Lösungen und Innovationen zu bieten, die sowohl technische aber auch wirtschaftliche Vorteile bieten. Und genau diese Kombination ist unser Erfolgsrezept.
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