"Nicht wichtig, wie er sich kleidet"
Leserbriefe

Zur Kritik von Matthias Schwarz an Armin Nentwig, dem nicht mehr angetretenen Vorsitzenden des Rollstuhlfahrer- und Behindertenclubs:

Nach meiner Meinung hat Herr Schwarz ganz klar auf die Person Nentwig gezielt und dabei die Sachlichkeit verfehlt. Ich frage mich nur: Warum wird Herr Nentwig, der 35 Jahre lang wichtige Arbeit für kranke und behinderte Menschen geleistet hat, in einer so unfairen Art und Weise öffentlich niedergemacht?

Kann der Kritiker eigentlich einschätzen, was Armin Nentwig noch so nebenbei für einen um Hilfe suchenden Personenkreis als Vorsitzender des Bundesverbandes "Schädel-Hirn-Patienten in Not" an Unterstützung einbringt? Als betroffener Angehöriger eines seit einem Jahr durch einen Unfall sehr schwer geschädigten Schädel-Hirn-Patienten (meine Schwester) ging mir diese veröffentlichte Kritik sehr nahe.

Für unsere nach mehreren Monaten Klinikaufenthalt als Wachkomapatient entlassene Angehörige suchten wir Rat und Hilfe. Wie kann und wie soll es weitergehen? Einen sehr wichtigen Ansprechpartner in dieser so schwierigen Situation fanden wir in der Person Armin Nentwig und in seinen Mitarbeiterinnen hier in Amberg. Von dieser Stelle erfuhren wir spontane und immer noch begleitende Hilfe in vielfältiger Weise. Und diese vor allem ganz unbürokratisch und unentgeltlich - halt so richtig von Herzen.

Zum Schluss möchte ich deswegen aus eigener Erfahrung anfügen: Wenn sich schlagartig der Lebensalltag ändert, dann sind viele der Betroffenen sehr oft und sehr stark auf Hilfe angewiesen und dann ist nämlich das Innenleben des Helfers hilfreich und entscheidend - und nicht, wie er sich kleidet.

Alfred Baumer, Amberg

"Wir haben genügend soziale Probleme"

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Es ist mir ein großes Anliegen, hierzu Stellung zu nehmen. Auch als größtenteils schwarz eingefärbter, politisch denkender Landkreisbürger ist es Pflicht, zu argumentieren. Aus meiner persönlichen Sicht hat Herr Nentwig als Landrat und als Funktionär des Rollstuhlfahrer- und Behindertenclubs einen guten Job gemacht - keiner ist perfekt, weder in Politik, noch im Verein, noch in der Sozialarbeit. In diesem Fall aber ist es besonders unverständlich, den Stil von Herrn Nentwig zu kritisieren. Alle Menschen in meinem Umfeld, die das gelesen haben, finden diese Diskussion nicht nur peinlich, sondern unverschämt. Es kann sich hier nur um Neidargumente oder Unfähigkeit, Mitmenschen richtig einzuschätzen, handeln.

Wahrscheinlich möchte Matthias Schwarz, dass unsere Politiker oder sozial engagierten Mitbürger in Zukunft zur Kategorie Wollmützen- und Drei-Tage-Bart-Träger degenerieren. Diese Stillosigkeit möchte ich als erstes Frau Nentwig erspart wissen, denn sie hätte sonst mit ihrem Armin sicher weniger Freude.

Wir haben dieser Tage genügend soziale und Integrationsprobleme. Dann sollte man nicht noch engagierte Bürger des Landkreises verunglimpfen.

Horst Linn sen., Eschenfelden

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