Nobelpreis für Physik
Ganz neue Zustände

Die Mitglieder der schwedischen wissenschaftlichen Akademie, die Professoren Nils Martensson, Goran K. Hansson und Thomas Hans Hansson stellen die Gewinner des Nobelpreises für Physik vor: David Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz. Bild: dpa

Materie kann nicht nur gasförmig, flüssig oder fest sein. Es gibt auch exotischere Zustände. Entscheidende Theorien dazu haben drei Physiker entwickelt, die nun den Nobelpreis erhalten.

Stockholm. Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an die gebürtigen Briten David Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz für die Beschreibung exotischer Materiezustände. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mit. "Die Geehrten haben eine Tür zu einer unbekannten Welt geöffnet, in der Materie seltsame Zustände annehmen kann", hieß es zur Begründung. Praktische Relevanz könnten die Arbeiten für Quantencomputer haben. Die höchste Auszeichnung für Physiker ist mit umgerechnet etwa 830 000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Eine Hälfte erhält Thouless, die andere geht an Haldane und Kosterlitz. Alle drei Wissenschaftler forschen in den USA.

Nicht nur flüssig


Es sei für ihn völlig überraschend, dass der Preis für Grundlagentheorie vergeben wurde, "die vielleicht irgendwann einmal angewendet wird", sagte Rolf-Dieter Heuer, Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Die Theorien der drei Preisträger sind nicht einfach zu verstehen. Selbst den Nobel-Juroren fiel es schwer, sie zu erklären. Die drei bekanntesten Zustände von Materie kennt jeder: gasförmig, flüssig, fest. Unter bestimmten Bedingungen kann Materie aber auch exotischere Zustände annehmen und ungewöhnliche Eigenschaften entwickeln. Dazu gehören beispielsweise sogenannte Superkonduktoren, in denen Strom besonders leicht fließen kann, aber auch sogenannte Superfluide oder dünne magnetische Schichten. Mit ihren Theorien machen es Thouless, Haldane und Kosterlitz möglich, diese Phänomene zu erklären.

Auf den Arbeiten der drei gebürtigen Briten ruhen große Hoffnungen. "Es gibt die Hoffnung, dass man elektronische Zustände findet, die besonders robust gegen Störungen von außen sind", sagte Henning Riechert vom Paul-Drude-Institut für Festkörperelektronik in Berlin.

Physik-NobelpreisDer Physik-Nobelpreis wird seit 1901 vergeben. Seitdem haben ihn 200 Forscher erhalten, der US-Amerikaner John Bardeen sogar zweifach. Die erste Auszeichnung erhielt der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen für die Entdeckung der "X-Strahlen", der später nach ihm benannten Röntgenstrahlen. (dpa)
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